Wald als regionale Wertschöpfungsquelle : Datum:
Ein Drittel der Fläche Thüringens ist mit Wäldern bedeckt. Das wertvolle Holz wird jedoch kaum in der Region verarbeitet, die Wertschöpfung findet anderswo statt. Mit dem geplanten „Innovations- und Kompetenzzentrum Holz“ will das WIR!-Bündnis Holz-21-regio neue Wege gehen, um die regionale Wirtschaft zu stärken.
Holz regional verarbeiten – Wirtschaft stärken
Ungefähr 550.000 Hektar Wald gibt es in Thüringen. Doch der regionalen Wirtschaft kommt das Holz kaum zugute. Das Bundesland liefert den wertvollen Rohstoff und ein paar vorgefertigte Holzwerkstoffe an Abnehmer weltweit, verarbeitet ihn jedoch selten zu fertigen Produkten. Die CO2-intensiven Transporte schaden dem Klima und letztlich der heimischen Wirtschaft. „Wir wollen stattdessen die Wertschöpfung in der Region halten, Innovationen mit Holz schaffen und damit jungen Leuten Perspektiven bieten, um die Abwanderung zu reduzieren“, sagt Erik Findeisen, Sprecher des WIR!-Bündnisses Holz-21-regio.
Innovationen in die Praxis bringen
Ein Ziel, das sich das Team von Holz-21-regio von Anfang an auf die Fahnen geschrieben hat. Seit 2021 wird das Bündnis vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen des Programms „Innovation & Strukturwandel“ und vom Freistaat Thüringen gefördert.
In knapp zwei Jahren endet die Förderung, doch eine Verstetigung ist bereits in Sicht. In der südthüringischen Stadt Suhl soll 2027 das „Innovations- und Kompetenzzentrum Holz“ entstehen. Dort will Holz-21-regio nicht allein einziehen, sondern mit dem Institut für Angewandte Bauforschung Weimar gGmbH kooperieren, um Synergien in diesem Forschungsgebiet nutzen zu können.
In dem „Innovations- und Kompetenzzentrum“ wollen die Forschenden bereits vorhandenes und neues Wissen über holzverarbeitende Technologien in die Praxis überführen, vor allem für den modernen seriellen Holzbau. Wie das aussehen kann, sollen schon die Gebäude des Zentrums demonstrieren, die aus regional gefertigten Holzbauteilen errichtet werden. Das Land Thüringen ist von den Plänen begeistert und will das Vorhaben mit zehn Millionen Euro unterstützen.
Wald umbauen, pflegen und nutzen
Die Herstellung und Nutzung konventioneller Baustoffe wie Beton verursachen hohe Treibhausgas-Emissionen. Beim Holzbau ist der CO2-Ausstoß nicht nur niedriger, sondern kehrt sich sogar um. Denn der nachwachsende Rohstoff speichert Kohlendioxid und reduziert somit das klimaschädliche Gas in der Atmosphäre. Gleichzeitig ist die Wohngesundheit in Gebäuden aus dem natürlichen Rohstoff höher. Werden die Holzbauteile seriell gefertigt, kann Bauen und Wohnen sehr viel günstiger werden. An diesem Ziel arbeitet das Team von Holz-21-regio.
Damit genügend gesundes Holz nachwächst, arbeitet das WIR!-Bündnis auch am klimagerechten Waldumbau. Statt Fichten, die Probleme mit Trockenheit und Schädlingen haben, sollen den Thüringer Wald Laub- und Nadelbaumarten bereichern, die den klimatischen Verhältnissen besser angepasst sind. Anderthalb Millionen kleine Setzlinge hat der Thüringer Forst allein im letzten Jahr gepflanzt. Mit digitalen Technologien, Robotik und Sensorik will das WIR!-Bündnis für die Überwachung und Pflege der jungen Bäume sorgen. Auch diese Technologien sollen am „Innovations- und Kompetenzzentrum Holz“ getestet und weiterentwickelt werden.
Weniger Kohlendioxid, mehr regionale Wirtschaftskraft
Das Team von Holz-21-regio arbeitet daran, dass die strukturschwache Thüringer-Wald-Region zu einer Modellregion wird für ökologische und dem Klima angepasste regionale Wertschöpfungsketten auf der Basis von Holz. Das geplante „Innovations- und Kompetenzzentrum Holz“ sowie die bereits bestehenden Kooperationen von regionalen Unternehmen, Kommunen und Forschungseinrichtungen bereiten den Weg dafür. Bündnissprecher Erik Findeisen sieht das heimische Holz als einen Schlüssel zur Transformation und Dekarbonisierung der regionalen Wirtschaft: „Wir können einen gesünderen Wald mit der Herstellung innovativer Holzprodukte verbinden. Damit leisten wir einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft, denn Holzbauteile lassen sich mehrfach verwenden und leicht recyceln. Außerdem bieten wir jungen Menschen attraktive neue Arbeitsplätze in einem wunderbaren Ambiente“.