Kompetente Kommunen für erfolgreichen Wandel : Datum:
Abwanderung und Überalterung der Bevölkerung, Fachkräftemangel und klimatische Veränderungen – das sind die Herausforderungen, vor denen viele Kommunen und Landkreise in Mitteldeutschland stehen. Die sächsische T!Raum-Inititative HKS will sie dabei mit ihrem Knowhow unterstützen.
Kommunen als Möglichmacher unterstützen
„Universitäre Forschung orientiert sich immer an hohen internationalen Standards. Doch möglich wird diese Forschung nur durch die Unterstützung der Länder und Kommunen, in denen wir tätig sind,“ betont Matthias Middell, Professor für Kulturgeschichte und Prorektor der Universität Leipzig. „Nun möchten wir den Kommunen etwas zurückgeben.“ Genau das geschah auf dem „Forum Kooperation“ der Leipziger Universität mit den Kommunen der Region. Die Veranstaltung war gleichzeitig Jahreskongress der T!Raum-Initiative Handlungskompetenz der Kommunen stärken (HKS). Federführend in der Initiative ist die Universität Leipzig, die Kommunen und Landkreise in Sachsen und Sachsen-Anhalt mit konkreten Projekten unterstützen will. Expertinnen und Experten aus Wirtschaftsinformatik, Stadtentwicklung und Kulturwissenschaft, aber auch aus der Umweltforschung und Wasserwirtschaft wollen ihr Wissen an Kommunen weitergeben, um aktuelle Probleme zu lösen. Dabei schreiben sie keine Themen vor, sondern ermitteln Bedürfnisse und entwickeln Lösungen – gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern sowie kommunalen Verwaltungen. Das HKS-Projekt „Transfer durch Kokreation“ ist ein gutes Beispiel dafür. Drei Jahre lang haben Forschende der Universität Leipzig in den sachsen-anhaltischen Städten Zeitz und Weißenfels gemeinsam mit Stadtverwaltungen sowie Bürgerinnen und Bürgern vor Ort neue Beteiligungsformate entwickelt, vom offenen Stadtlabor bis zum Jugendgremium. Damit das Wissen über das Projektende hinaus nutzbar bleibt, haben die Beteiligten Leitfäden und Handbücher erstellt, die online einsehbar sind. Im Nachfolgeprojekt „CAMPUS-Werkstätten“ soll die Zusammenarbeit fortgesetzt werden.
Strategisch planen und finanzieren zum Wohle aller
In Aue-Bad Schlema, einer kleinen Stadt im Erzgebirge, haben Forschende der Universität Leipzig im Rahmen von T!Raum HKS ein Zukunftsszenario für kommunale Entwicklungen bis 2030 entworfen. Gemeinsam mit der Kommune analysierten sie dafür die städtischen Finanzen mit einem eigens entwickelten digitalen Programm. Damit ist es möglich, kommunale Entwicklungen zu modellieren und Ausgaben langfristig zu prognostizieren. Die Kommune kann ihre Finanzen so vorausschauender planen und strategische Investitionsentscheidungen auch im Zusammenhang mit der Bevölkerungsentwicklung treffen. Zum Beispiel im Hinblick auf Geburtenraten, was Planungen zum Bau von Kitas und Schulen erleichtert. Das innovative digitale Werkzeug zur Finanzplanung ist in ähnlich strukturierten Kommunen auch in ganz Deutschland nutzbar.
Ergänzend befragten die Forschenden gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum für Gemeinwesenarbeit und Engagement e.V. die Bürgerinnen und Bürger von Aue-Bad Schlema zu aktuellen Transformationsprozessen. In Stadtgesprächen diskutierten sie ihre Bedürfnisse und Wünsche – nachzuhören in der Stadtgespräch-Staffel des Podcasts „Kommunen stärken“.
Damit kommunale Verwaltungen künftig auch Künstliche Intelligenz (KI) zur Erleichterung ihrer Arbeit nutzen können, sucht die T!Raum-Initiative HKS nach interessierten Kommunen: Das Projektteam möchte deren Bedürfnisse ermitteln, Möglichkeiten für den Einsatz von KI aufzeigen und bei der Einführung behilflich sein. Technische Unterstützung bietet die Leipziger IT-Firma Lecos GmbH, Unternehmenspartnerin in diesem HKS-Projekt. Statt aufwändiger Schulungen sind individuell angepasste und zeitlich begrenzte Mini-Lektionen zur Nutzung der KI direkt in den Verwaltungen geplant.
Wandel in allen Bereichen
Auch klimatische und globale Veränderungen sind herausfordernd für die Kommunen und Landkreise in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Wie können sie die Klimaziele erreichen, Treibhausgas-Emissionen reduzieren und gleichzeitig die Energieversorgung gewährleisten, ohne dass die Kosten explodieren? Um dabei zu unterstützen, hat ein Projektteam der T!Raum-Initiative HKS zunächst Daten von lokalen Energieversorgern gesammelt und ausgewertet. Auf dieser Grundlage haben Informatikerinnen und Informatiker digitale Analyse-Instrumente entwickelt, mit denen die Kommunen ihre Energieversorgung im Hinblick auf die Klimaziele optimieren und Investitionen für passende Energietechnologien planen können. Gleichzeitig haben die Forschenden Gespräche mit den Kommunen geführt, um die Akzeptanz neuer Technologien zu erfragen. Ihre Ergebnisse wollen sie in Workshops mit Energieversorgern diskutieren und die Kommunen künftig bei der Umsetzung der geplanten Maßnahmen unterstützen.
So will die vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderte T!Raum-Initiative mit der Universität Leipzig als Impulsgeberin lokale Innovationen beschleunigen – gemeinsam mit Kommunen, Unternehmen und der Zivilgesellschaft.