transPORT: ein Hafen im Transfer zum Stadtquartier : Datum:
Der Magdeburger Wissenschaftshafen entwickelt sich zu einem lebendigen Stadtquartier mit medizintechnischem Hightech-Zentrum. Initiator ist das transPORT-Forschungsbündnis. Auf einer Hafenkonferenz gab es Rückblick und Ausblick auf das Geschehen.
Denkmalgeschützte Backsteinbauten aus den Anfängen der Industrialisierung bestimmen das Bild des Wissenschaftshafens in Magdeburg, aber auch moderne Gebäude mit viel Glas wie die „Elbfabrik“ des Fraunhofer Instituts für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF. In dieser Forschungs- und Demonstrationsfabrik nehmen Visionen von den Arbeitsplätzen der Zukunft Gestalt an: In lichten Räumen erproben Menschen und Roboter das Arbeiten neben- und miteinander. An diesem zukunftsweisenden Ort fand die 2. Hafenkonferenz statt, zu der das transPORT-Forschungsbündnis eingeladen hatte.
Aufbruch zu einer nächsten Entwicklungsstufe
Keine Konferenz mit Vorträgen im klassischen Sinne war geplant, sondern Gespräche, aus denen sich „Zukunftsimpulse für Gesundheit, Wissenschaft und nachhaltige Lebensräume“ hier an der Elbe ergeben, wo einst der 1893 eröffnete Binnenhafen ein wichtiger Umschlagplatz für Getreide, Zucker und Kali aus der Region war. Den Aufbruch in eine neue Zeit erlebte der Hafen zu Beginn der 2000er Jahre mit seiner Umnutzung zum Wissenschaftshafen. Die Hafenarbeiter und -arbeiterinnen des 21. Jahrhunderts kommen unter anderem aus dem hier ansässigen Fraunhofer IFF, aus dem Max-Planck-Institut oder dem Institut für Automation und Kommunikation ifak. Der 2013 von der Otto-von-Guericke-Universität gegründete medizintechnische Forschungscampus STIMULATE zog 2020 in den Wissenschaftshafen. transPORT, maßgeblich von STIMULATE initiiert, ging 2023 an den Start und wird im Rahmen des Förderprogramms „T!Raum – TransferRäume für die Zukunft von Regionen“ vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert.
„Transfer“ steckt in dem Namen der Initiative und „Port“ für Hafen: Im Transfer zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und der Bevölkerung aus der Region sollen im Hafenquartier attraktive Arbeitsplätze, moderne Wohnräume sowie vielfältige Freizeit- und Kulturangebote entstehen, die einen starken Sogeffekt über die Region hinaus entfalten.
STIMULATE-Sprecher und transPORT-Verbundkoordinator Prof. Dr. Georg Rose markierte die 2. Hafenkonferenz als Aufbruch zu einer nächsten Entwicklungsstufe. Das Fundament, nämlich ein gut funktionierendes transPORT-Netzwerk, sei gelegt.
Das Erreichte sichtbar machen
Eine Innovation entsteht erst, wenn die Idee das Labor verlässt und bei den Menschen ankommt – das ist der Leitgedanke der Akteure, die im Wissenschaftshafen ein Innovationsökosystem mit dem Fokus auf Medizintechnik aufbauen. Mit Ökosystem sind die in Wechselwirkung stehenden vier „W“ gemeint: Wissenschaft, Wirtschaft, Wohnen, Wohlfühlen. Angesichts der rasanten Transformationsprozesse in der Wirtschaft sei eine hohe Erwartungshaltung an das Vorhaben berechtigt, meinte Prof. Dr. Jens Strackeljan, Rektor der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Die OVGU ist in Kooperation mit der Landeshauptstadt Magdeburg Träger des transPORT-Projektes. Gerade hat es die Zwischenbegutachtung durch das BMFTR erfolgreich bestanden und startet nun in die zweite 3-jährige Förderphase.
Auf dieser Hafenkonferenz solle auch das Erreichte sichtbar gemacht werden, betonte Verbundkoordinator Georg Rose und ergänzte, dass inzwischen zahlreiche Startups und STIMULATE-Ausgründungen für ein lebendiges Ansiedlungsgeschehen sorgen. Die im Hafen ansässigen jungen Unternehmerinnen und Unternehmer hoben das transPORT-Netzwerk positiv hervor. Insbesondere die, die aus anderen Gegenden Deutschlands kommen, wissen den kurzen und schnellen Wissenstransfer zu schätzen. Anderswo sei es nicht üblich, dass Forscher und Techniker unkompliziert Zugang zur Praxis im klinischen Alltag erhalten.
Schnelle Wege zur medizinischen Anwendung
In Sachsen-Anhalt konnten innerhalb des transPORT-Netzwerkes zukunftsweisende Ideen zu innovativen Produkten reifen und schnell in die medizinische Anwendung gelangen. Die STIMULATE-Ausgründung RAYDIAX beispielsweise hat einen Therapieassistenz-Computertomographen (TACT) entwickelt, der explizit als OP-Raum geeignet ist. Das Uniklinikum Magdeburg, seit Anbeginn ein klinischer Partner, stellt den ersten TACT für die klinische Studie bei sich auf.
Gerade in der Ausgründung befindet sich das STIMULATE-Team SCANATIQ. Es hat eine neuartige Technologie für eine kabellose MRT-Spule entwickelt, die die medizinische Bildgebung im Magnetresonanztomographen einfacher, flexibler und patientenfreundlicher macht. Auch das Start-up Neoscan Solutions stellte sich den Konferenz-Gästen vor. Es entwickelt und baut kompakte MRT-Systeme speziell für Säuglinge und Kleinkinder und hat den Uni-Kliniken in Magdeburg und Halle (Saale) jeweils eines verkauft. Aktuell entwickelt das Unternehmen riesige Magneten für den weltweit stärksten 14-Tesla-MRT zur Anwendung am Menschen. Auftraggeber ist ein niederländisches Forschungskonsortium.
Bei allem die Zielgruppen mitnehmen
Der einstige Binnenhafen strahlt mittlerweile über die Region, gar über die Grenzen Deutschlands hinaus. Wissenschaft und Wirtschaft haben ihre „W“ als Leuchttürme gesetzt und sollen die Reichweite ihrer Strahlkraft erhöhen. Die Voraussetzungen sind gut: Das Land Sachsen-Anhalt finanziert dem Forschungscampus STIMULATE einen Neubau.
In den nächsten drei Jahren Förderphase wollen die transPORT-Akteure das „Wohnen“ und „Wohlfühlen“ noch mehr in den Fokus nehmen. Neben dem Ausbau der digitalen Transferwege stehen auch reale Straßenanbindungen des Hafengeländes auf dem Plan. Im Zentrum des Quartiers liegt die ein Kilometer lange historische Fahrrinne des einstigen Handelshafens. Möglichkeiten der Sanierung und Nutzungsideen sind gefragt. Überhaupt schwebt über der neuen Förderphase die Frage, was das Hafenquartier an attraktiven Bedingungen braucht, damit sich die „W“ für Wohnen und Wohlfühlen hier entfalten und die erwünschte Sogkraft entwickeln. Die transPORT-Akteure wollen in vielen organisierten Gesprächsformaten und Begegnungen aus Wissenschaft und Unternehmertum, mit Gewerbetreibenden und Kulturschaffenden deren Bedürfnisse als potenzielle Anwohner herausfinden. Und sie suchen sich Partner, die ihnen dabei beratend zur Seite stehen. Agnes von Matuschka zum Beispiel managt die Entwicklung des Potsdam Science Parks, zu dem der Uni-Campus Golm gehört. Und Dr. Ulf-Marten Schmieder war als Vertreter des Bundesverbandes der Deutschen Innovations-, Technologie- und Gründerzentren zur Hafenkonferenz eingeladen. Beide empfahlen: Reisen Sie viel und schauen Sie sich andere Standorte an. Und nehmen Sie bei allem Ihre Zielgruppen mit!