Emissionsfreie Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal : Datum:
Mit maximal 15 Kilometern pro Stunde passieren riesige Kreuzfahrtschiffe, Tanker und Containerschiffe den Nord-Ostsee-Kanal und erzeugen Abgase. Eine emissionsfreie Fahrt ist die Vision des WIR!-Bündnisses CAPTN Energy. Im Projekt EENOK-Systementwurf wird an der Entwicklung eines mobilen Energiecontainers gearbeitet.
Der vor 130 Jahren eröffnete Nord-Ostsee-Kanal in Schleswig-Holstein gilt als die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt. Sechseinhalb bis acht Stunden brauchen Schiffe für die knapp 100 Kilometer lange Strecke zwischen Kiel und Brunsbüttel. Im Vergleich zur Umrundung Jütlands, ist das eine enorme Abkürzung, durch die bereits Emissionen eingespart werden. Doch beim ständigen Manövrieren in langsamer Geschwindigkeit stoßen die Schiffe im Nord-Ostsee-Kanal verstärkt Schadstoffe aus. Besonders an den Schleusen, in denen sich der Schiffsverkehr staut, ist das zu spüren.
Ein mobiler Energiecontainer soll in Zukunft Schiffen emissionsfreie Energie während der Fahrt durch den Kanal liefern. Das ist das Ziel des Projekts EENOK-Systementwurf, das am 1. Juni 2025 startete. „EENOK“ steht dabei für „Emissionsfreie Energiecontainer für den Nord-Ostsee-Kanal“. In den kommenden drei Jahren arbeiten der Projektleiter Santiago Moreano Rojas und sein Team vom Institut für Maritime Energiesysteme des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Geesthacht und Kiel an der Entwicklung des Energiecontainers.
Eine emissionsfreie Lösung für jeden Schiffstyp
„Die Erforschung eines schiffsübergreifenden Standardanschlusses ist eines der Ziele unseres Projektes”, erklärt Rojas. So soll jeder Schiffstyp mit Strom versorgt werden können. Am Anfang des Kanals wird der Container auf das Schiff geladen und angeschlossen. Vor dem Verlassen des Kanals wird er wieder vom Schiff geladen und an Land mit ausreichend Wasserstoff für die nächste Tour betankt. Wasserstoff-Brennstoffzellen im Energiecontainer sollen den gesamten Strombedarf eines Schiffes während der Fahrt durch den Kanal abdecken. Dazu zählt nicht nur die Antriebsenergie, sondern zum Beispiel bei Kreuzfahrtschiffen auch der gesamte an Bord verbrauchte Strom.
Die Kerninnovation des Konzeptes von „EENOK-Systementwurf“ ist, eine unabhängige Lösung zu entwickeln: Damit der Energiecontainer eigenständig funktioniert, ist das anvisierte Modell mobil, austauschbar und unabhängig von Schiffstyp, Energiesystemkonfiguration, Stromnetz und Brennstoffspeicherung an Bord.
„EENOK-Systementwurf“ ist Teil des vom BMFTR geförderten WIR!-Bündnisses CAPTN Energy. Verschiedene Bündnispartner aus Forschung, maritimen Unternehmen und Energiewirtschaft arbeiten in Schleswig-Holstein zusammen, um erneuerbare Energie zur maritimen Anwendung zu bringen.