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Wie KI Wildtiere rettet : Datum:

Jedes Jahr sterben in Deutschland bei der Frühjahrsmahd rund 500.000 Wildtiere, vor allem Rehkitze, Feldhasen und bodenbrütende Vögel. Das Projekt ARD-AI im WIR!-Bündnis ArtIFARM will das ändern – mit Drohnen, KI und smarten Maschinen, die Tiere erkennen und automatisch verschonen. Für mehr Tierwohl auf dem Feld und ohne die Arbeitsabläufe der Landwirt:innen zu stören.

Im Frühjahr wird gemäht, um Wiesen und Grünflächen für die landwirtschaftliche Nutzung vorzubereiten und frisches Futter für landwirtschaftliche Nutztiere zu sichern. Die erste Mahd ist besonders wichtig, weil das Gras zu dieser Zeit noch frisch und nährstoffreich ist. Allerdings fallen diese Mäharbeiten oft genau in die Zeit, in der viele Wildtiere ihre Jungen bekommen und aufziehen – auch Brut- und Setzzeit genannt.

So verstecken sich Rehkitze instinktiv regungslos im hohen Gras, um sich vor natürlichen Feinden zu schützen. Diese Strategie hilft ihnen zwar gegen Tiere wie Füchse, macht sie aber eben auch für Mähmaschinen unsichtbar. Die Maschinen können die Tiere daher oft nicht rechtzeitig erkennen, sodass sie ungewollt verletzt oder gar getötet werden.

Ein Rehkitz ist auf dem Bild zu erkennen, es liegt im hohen Gras.
Rehkitze lernen nach wenigen Stunden aufrecht zu stehen. Doch in den ersten zwei Wochen sind sie sehr wackelig auf den Beinen und können noch nicht flüchten. © thermal DROHNES GmbH

Auch Bodenbrüter sind gefährdet. Dabei handelt es sich um Vogelarten, die ihre Eier direkt auf dem Boden oder in Bodennähe ablegen und dort ihre Jungen aufziehen. Ihre Nester sind im hohen Gras oder auf Wiesen oft kaum zu entdecken. Wenn die Wiesen gemäht werden, werden deshalb die Eier häufig zerstört oder Jungvögel getötet, da sie nicht rechtzeitig fliehen können.

Im Bild ist eine Uferschnepfe im hohen Gras zu sehen.
Bodenbrüter wie diese Uferschnepfe nisten gut versteckt im hohen Gras – und sind bei der Mahd besonders gefährdet. © Arno Schoppenhorst, Ökologis GmbH Bremen

Herausforderungen beim Wildtierschutz

In der Landwirtschaft werden bereits Wärmebilddrohnen eingesetzt, um vor allem Rehkitze vor der Mahd zu finden und in Sicherheit zu bringen. Doch das Problem ist, dass die Tiere nur früh morgens zuverlässig erkannt werden. Das liegt daran, dass Wärmebildkameras Temperaturunterschiede erfassen: So lange die Tiere wärmer als die Umgebung sind, heben sie sich im Bild ab. Wenn die Sonne jedoch die Wiesen erwärmt, gleichen sich die Temperaturen von Tieren und Pflanzen an, wodurch die Tiere im Wärmebild kaum noch sichtbar sind. Hinzu kommt der Personalaufwand: Die Drohnen werden manuell gesteuert und die Wärmebilder oft noch von Menschen ausgewertet, da die automatische Erkennung bisher nicht zuverlässig genug ist. 

Smart Farming gegen Wildtierverlust

ARD-AI entwickelt Lösungen, um Wildtierverluste durch Mähmaschinen künftig zu verhindern. Das gesamte WiR!-Bündnis ArtIFARM arbeitet in den von Ackerwirtschaft geprägten Landkreisen Vorpommern-Rügen, Vorpommern-Greifswald und Mecklenburgische Seenplatte. Vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert, hat ArtIFARM schon in anderen Projekten gezeigt, wie Künstliche Intelligenz die Landwirtschaft effizienter macht. Smart-Farming nennt sich das Ganze. Nun steht ihr neustes Projekt in den Startlöchern: KI so einzusetzen, dass Wildtiere beim Mähen und Ernten nicht mehr verletzt oder getötet werden und Landwirtinnen und Landwirte dabei noch entlastet werden.

Zu erkennen ist ein Getreidefeldstück. Aus dem Getreide ragen Rehohren hervor.
Bei der Getreideernte im Sommer sind auch erwachsene Rehe gefährdet, weil sie sich im dichten Getreide verstecken. © Jan Walcher

Wie soll das Ganze funktionieren? Bevor der Mähtraktor auf dem Feld startet, fliegt eine Drohne über die Landfläche und macht Bilder. Diese werden direkt in einen zentralen Speicher („Cloud“) geschickt. Die KI wertet die Bilder nun aus. Sie erkennt die Wildtiere und Bodenbrüter auch bei starkem Sonnenlicht und bestimmt ihre genaue Position. Nun wird auf einem Bildschirm im Traktor angezeigt, wo sich ein Tier befindet. So kann die Landwirtin oder der Landwirt die Gefahr frühzeitig erkennen und direkt handeln, das Mähwerk stoppen und das Tier aus dem Feld holen.

Ein Feld ist von oben abgebildet. Ein Traktor fährt darauf. Darüber ist eine Drohne zu sehen.
Die KI erkennt präzise, wo sich ein Tier befindet und um welche Art es sich handelt. © thermal DROHNES GmbH

Für Landwirtinnen und Landwirte bedeutet die neue Technik vor allem eine enorme Arbeitserleichterung: Die Felder müssen nicht mehr manuell abgesucht werden und das System funktioniert auch tagsüber zuverlässig – unabhängig von Wetter oder Lichtverhältnissen. Das spart Zeit, Personal und macht den Ernteprozess planbarer und effizienter.

 Mit Zuversicht gegen Wildtierverluste

Um Wildtiere künftig effektiv mit Smart Farming zu schützen, braucht die KI umfangreiches Training. Dazu werden Tausende Wärme- und Farbbilder von Rehkitzen, Bodenbrütern, Feldhasen und weiteren Tieren gesammelt. Mit diesen Bildern lernt die KI, die Tiere richtig zu erkennen und von anderen Objekten zu unterscheiden. Auch schwierige Bedingungen, wie starkes Sonnenlicht oder schlechte Bildqualität, werden mit einbezogen. Damit man verstehen kann, wie die KI zu ihrer Entscheidung kommt, wird zusätzlich sichtbar gemacht, worauf sie beim Erkennen geachtet hat. So lässt sich überprüfen, ob sie richtig arbeitet – zum Beispiel, ob sie wirklich das Rehkitz erkannt hat und nicht nur eine zufällige helle Stelle im Gras. Ziel ist es, eine präzise arbeitende Technik zu entwickeln, die Tiere in verschiedensten Situationen zuverlässig erkennt. Außerdem plant das Projekt im ArtIFARM-Konsortium einfache Erklärvideos und Anleitungen zu erstellen, damit Landwirtinnen und Landwirte lernen, wie sie die neue Technik richtig benutzen.

ARD-AI plant dabei, die Tiererkennung direkt in den landwirtschaftlichen Arbeitsablauf zu integrieren. Langfristig sollen Drohnen mit Traktoren oder autonomen Mähmaschinen kommunizieren – das gab es so bisher noch nicht. Dieses engagierte Team, das sich mit Leidenschaft für den Schutz der Wildtiere einsetzt, gibt berechtigte Hoffnung, dass KI die Landwirtschaft effizienter macht und gleichzeitig den Naturschutz stärkt.

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