Wasserstoff mit aHa-Effekt
Das „aHa-Lab“ zeigt mit anschaulichen Versuchen, wie Wasserstoff genutzt werden kann. Die interaktive Ausstellung ist Teil der T!Raum Initiative Inno!Nord in Flensburg, die verschiedene Möglichkeiten der Energiespeicherung erforscht.
Energisch tritt der Schüler einer 8. Klasse in die Pedale des Heimtrainers. Dabei beobachtet er, wie Wasserstoffblasen in einem mit Wasser gefüllten Glasrohr aufsteigen. Denn die Energie seiner Bewegungen wird in einem Glaskasten direkt vor seinen Augen zur Elektrolyse genutzt, um Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff aufzuspalten. Mit dem selbst erzeugten Wasserstoff kann der Jugendliche danach ein kleines, grünes Spielzeugauto betanken, das mit einer Brennstoffzelle ausgestattet ist. Eine Tankladung reicht aus, um das Auto zweimal über die Teststrecke auf dem Boden fahren zu lassen.
Die Wasserstofftankstelle ist die beliebteste Station der interaktiven Ausstellung „aHa-Lab“, die von der T!Raum Initiative Inno!Nord initiiert wurde. Acht Stationen zum Mitmachen in der Phänomenta in Flensburg zeigen, wie Wasserstoff hergestellt, gespeichert und umgewandelt wird. Im Frühjahr 2025 präsentierten hier 36 Schülerinnen und Schüler der örtlichen Kurt-Tucholsky-Schule die Versuche. Im Juni soll das „aHa-Lab“ in kleinerem Rahmen bei der bundesweiten Woche des Wasserstoffs wiederholt und später beim Tag der offenen Tür der Hochschule Flensburg gezeigt werden.
Wissen über Wasserstoff weitergeben
„Wir haben viele positive Rückmeldungen zum aHa-Lab bekommen“, erzählt die Professorin Wiktoria Vith von der Hochschule Flensburg. „Die Führungen in der Phänomenta waren fast alle ausgebucht.“ Innerhalb der vom Bundesforschungsministerium geförderten Initiative Inno!Nord leitet die Professorin für Verfahrenstechnik das Werkstattprojekt "KOWA – CO2‐Gewinnung aus Abgasen mit gleichzeitiger H2Produktion". In diesem Rahmen konzipierten sie und ihr Team die Ausstellung für verschiedene Zielgruppen. Während der Woche kamen Schulklassen zu Führungen, am Wochenende waren viele Familien zu Besuch. Für Erwachsene gab es begleitend Ringvorlesungen, zum Beispiel zur Frage, wann Wasserstoff als Energieträger sinnvoll ist. Für den Wissenstransfer zur Wirtschaft plant Vith außerdem Gespräche mit regionalen Stadtwerken.
Denn Wasserstoff könnte in Zukunft eine wichtige Rolle für Schleswig-Holstein spielen. Bis 2040 will das nördlichste Bundesland klimaneutral sein. Schon jetzt erzeugt es etwa zweimal so viel erneuerbare Energie, wie es selbst verbraucht. Es sind also Methoden zur Energiespeicherung nötig. Hier kommt Wasserstoff als ein Energieträger ins Spiel.
Wasserstoff kann genutzt werden, wenn nicht benötigte Energie aus Wind und Sonne gespeichert und in andere Regionen transportiert werden muss. Dazu wird die Wind- und Sonnenenergie in chemische Energie in Form von Wasserstoff umgewandelt. Um die so gespeicherte Energie nutzen zu können, wird sie mit einer Brennstoffzelle wiederum in elektrische Energie umgewandelt. Ein bisher noch ungelöstes Problem: Die Energiespeicherung mit Wasserstoff besitzt nur einen geringen Wirkungsgrad von etwa 30%. Das heißt, bei beiden Prozessen der Energieumwandlung geht noch viel Energie, vor allem in Form von Wärme, verloren.
Vorreiter für neue Technologien
Im Werkstattprojekt testet das Team von Wiktoria Vith, wie CO2 aus Rauchgasen gebunden und gleichzeitig Wasserstoff produziert werden kann. Dafür lassen sich die Forschenden von ihrem dänischen Partner „ESTECH“ schulen. „Wir wollen die Technologie so erschließen, dass wir dafür die Experten in Deutschland werden und eine Vorreiterposition einnehmen“, beschreibt die Wissenschaftlerin ihre Vision.
Für eine Vorreiterrolle bei der Energiewende braucht Schleswig-Holstein Fachkräfte. „An der Hochschule Flensburg haben wir bereits branchenrelevante Studiengänge, doch der Strukturwandel wird Generationen dauern“, so Vith. „Wir wollen Jugendliche für MINT-Fächer begeistern. Unser aHa-Lab ist dabei ein kleines Puzzleteil, um den Wandel anzuschieben. “Neben Schule und Phänomenta war die Chemiedidaktik der Europa Universität Flensburg beteiligt. Sie baute drei Stationen der Ausstellung und erstellte Plakate. „Wir waren überwältigt von der guten Zusammenarbeit!“, freut sich Wiktoria Vith. Das Interesse an weiteren Kooperationen sei groß.
Jugendliche unterrichten Jugendliche
An einer anderen Station der Ausstellung zeigt eine Abiturientin, wie Energie umgewandelt werden kann. Mit einem Fön treibt sie ein kleines Windrad an, das wiederum mit einer Lampe verbunden ist, die daraufhin zu leuchten beginnt. „Ich verstehe die Versuche selbst besser, weil ich sie anderen erklären muss“, erzählt sie. „Und gleichzeitig trauen sich die anderen Jugendlichen eher, Fragen zu stellen, wenn keine Lehrkraft vor ihnen steht.“ Eine Win-win-Situation. Zum Abschluss führt ein Wissenschaftler für alle Jugendlichen eine Knallgasreaktion vor. Mit einem lauten Knall und viel Applaus geht die Führung zu Ende. Die ersten Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler konnten für die Energiewende in Schleswig-Holstein begeistert werden.