Offene Werkstatt – Talente entdecken, Zukunft gestalten
In der Region Meißen ist das Handwerk ein zentraler Wirtschaftsfaktor – jeder vierte Betrieb gehört zum Handwerk. Doch trotz dieser starken Verankerung steht die Branche vor großen Herausforderungen. Nachwuchs fehlt, Ausbildungsabbrüche häufen sich und viele junge Menschen haben kaum noch realistische Vorstellungen von handwerklichen Berufen.
Genau hier setzt die „Offene Werkstatt“ des WIR!-Bündnisses InnoHandwerk an. Mit dem Projekt will das Bündnis das Handwerk wieder sichtbar machen. „Die Offene Werkstatt ist mehr als ein Informationsangebot. Sie ist ein Raum zum Mitmachen. Jugendliche fertigen Werkstücke an, nutzen Werkzeuge, erleben Berufe hautnah und kommen mit Handwerkerinnen und Handwerkern ins Gespräch.“, betont Jens-Torsten Jacob, Bündnissprecher der Kreishandwerkerschaft Region Meißen. Das Angebot richte sich vor allem an Schülerinnen und Schüler, aber auch an Auszubildende und Junggesellinnen und Junggesellen.
Warum braucht es die Offene Werkstatt?
Obwohl das Handwerk in der Region Meißen stark vertreten ist, steht es vor einem Umbruch. Viele Fachkräfte gehen in den Ruhestand. Gleichzeitig ziehen große Industriebetriebe zwischen Leipzig und Dresden junge Menschen an. Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, weil passende Bewerberinnen und Bewerber fehlen. Viele Jugendliche brechen ihre Ausbildung ab – oft, weil sie falsche Vorstellungen vom zu erlernenden Beruf hatten oder kaum praktische Erfahrungen sammeln konnten. Kleinere Betriebe bilden nur selten aus und sind nur phasenweise auf Messen oder in Schulen präsent – sie geraten aus dem Blick.
„Mit der Offenen Werkstatt wollen wir genau hier ansetzen – und Lücken schließen. Das Projekt schafft einen kontinuierlichen Raum, in dem Jugendliche Berufe erleben können: nach der Schule, am Nachmittag oder in den Ferien.“, berichtet begeistert Sybille Müller, Projektleiterin vom Qualifizierungszentrum Riesa GmbH. Die Formate sind vielfältig – von Arbeitsgemeinschaften über Experimentierwerkstätten bis hin zu Berufetagen. Besonders beliebt sind die Handwerkercamps in den Ferien. Hier lernen Jugendliche verschiedene Berufe kennen - von der Tischlerin bis zum Mechatroniker. Die Workshops in den Bereichen Holz, Metall, KFZ oder Tischlerei kommen gut an. Ohne Druck entdecken die Teilnehmenden, was ihnen liegt.
Eine Win-win-Situation für Betriebe und Jugendliche
Damit das gelingt, braucht es starke Partner – vor allem aus dem Handwerk selbst. Die Beteiligung der Betriebe war anfangs eine Herausforderung. Viele mussten erst überzeugt werden, dass ihr Engagement nicht nur dem Projekt hilft, sondern auch der eigenen Zukunft. Inzwischen beteiligen sich etliche Betriebe aus den Gewerken KFZ, Bau, Elektro, Tischler, Metall, Dachdecker, Bäcker sowie Sanitär, Heizung und Klima an der Offenen Werkstatt. Sybille Müller bringt den Mehrwert der Offenen Werkstatt auf den Punkt: „Wer heute zeigt, was sein Beruf bedeutet, gewinnt morgen Fachkräfte – und macht den eigenen Betrieb sichtbar.“
Um die Jugendlichen zu erreichen, braucht es Fingerspitzengefühl. Viele sind bereits stark eingebunden in Schule, Hobbys und Vereine und haben demnach nur eingeschränkt Zeit für weitere Aktivitäten. Doch durch gezielte Ansprache an Schulen und über Social Media gelingt es zunehmend, ihr Interesse zu wecken.
So entsteht mit der Offenen Werkstatt eine Verbindung, von der beide Seiten profitieren: Betriebe lernen potenzielle Auszubildende kennen, Jugendliche entdecken neue Perspektiven.
Erste Erfolge – und was sie bedeuten
Die Offene Werkstatt stößt auf wachsendes Interesse. Im letzten Jahr nahmen ca. 200 Jugendliche teil, vor allem aus den Klassenstufen 7 bis 9. Auch wenn die Berufswahl für viele noch nicht unmittelbar ansteht, wächst das Verständnis für handwerkliche Berufe. Viele können sich inzwischen gut vorstellen, später eine Ausbildung im Handwerk zu beginnen. Ein weiterer Effekt: Immer mehr Jugendliche äußern den Wunsch, nach der Schule in der Region Meißen zu bleiben – ein starkes Signal für den ländlichen Raum.
Doch nicht nur die Jugendlichen sind begeistert, sondern auch deren Familien. Wenn Eltern und Großeltern miterleben, was ihre Kinder und Enkel mit eigenen Händen schaffen, stärkt das die gesellschaftliche Wertschätzung des Handwerks.
Ein fester Bestandteil der regionalen Bildungslandschaft
Die Offene Werkstatt vom WIR!-Bündnis InnoHandwerk zeigt: Wer jungen Menschen frühzeitig Möglichkeiten bietet, schaffte Raum für Veränderungen. Das Projekt will bleiben – nicht als einmalige Initiative, sondern als fester Bestandteil der regionalen Bildungslandschaft. Es sollen dauerhafte Strukturen entstehen, die das Handwerk stärken, Talente fördern und berufliche Perspektiven eröffnen – für die Jugendlichen, für die Betriebe und für die Region Meißen.