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Dachdecker-App digitalisiert Baustellenalltag : Datum:

Fotos sortieren, Schäden bewerten, Reparaturen koordinieren: Für Dachdeckerbetriebe ist das oft mit hohem Aufwand verbunden. Deshalb entwickelt das WIR!-Bündnis InnoHandwerk eine digitale Lösung. Die „Dachdecker-App“ soll dabei unterstützen, Informationen direkt auf der Baustelle zu erfassen und mit dem Büro zu teilen.

Vor allem nach Sturm- oder Hagelereignissen müssen Dachdeckerbetriebe zahlreiche Schäden zügig bewerten und Reparaturen kurzfristig organisieren. In der bisherigen Praxis werden Fotos, handschriftliche Notizen und Absprachen dabei oft über unterschiedliche Wege gesammelt und weitergegeben. Das macht die Arbeit im Büro aufwendig, kann zu Verzögerungen oder Fehlern führen und ist besonders für kleine und mittlere Betriebe ein Problem.

Abhilfe schaffen soll eine digitale Lösung, die im WIR!-Bündnis InnoHandwerk entwickelt wird. Dort arbeitet ein Projektteam am Prototyp einer digitalen App, die ohne lange Einarbeitung funktioniert. Die „Dachdecker-App“ setzt auf eine nutzerfreundliche, intuitive Bedienung und berücksichtigt auch die Bedürfnisse von Beschäftigten, die im Arbeitsalltag bislang weniger digital arbeiten.

Eine App für den praktischen Einsatz

Auf der Baustelle erfassen die Bauleute Fotos, Notizen und weitere Daten über ihr Smartphone oder ihren Laptop direkt in der App. Die Informationen werden cloudbasiert bereitgestellt und stehen dem Büro dann in Echtzeit zur Verfügung. Dort können sie weiterverarbeitet, Baustellen priorisiert und Reparaturmaßnahmen koordiniert werden.

Historische Dachziegel auf dem Dachboden des Kornhauses: Die geplante KI-Funktion der Dachdecker-App soll unterschiedliche Ziegelmodelle erkennen und bei Sanierungen die Suche nach passendem Ersatzmaterial erleichtern.
Historische Dachziegel auf dem Dachboden des Kornhauses: Die geplante KI-Funktion der Dachdecker-App soll unterschiedliche Ziegelmodelle erkennen und bei Sanierungen die Suche nach passendem Ersatzmaterial erleichtern. © Kreishandwerkerschaft Region Meißen

Fotos müssen weder einzeln versendet noch nachträglich sortiert werden: Über die App lassen sie sich direkt der jeweiligen Baustelle zuordnen und mit einer Priorität versehen. So erkennt das Büro auf einen Blick, wo dringender Handlungsbedarf besteht. Ein zentrales Element ist die geplante KI-gestützte Erkennung historischer Dachziegel. Sie basiert auf einer digitalen Sammlung von rund 1.300 unterschiedlichen, historischen Modellen. Bei Sanierungen kann diese Funktion dabei helfen, passende Ersatzmaterialien schneller zu identifizieren. Geplant sind auch eine GPS-gestützte Baustellenzuordnung sowie ein automatisierter PDF-Export für die Bauakte. Außerdem wird sich das System so einstellen lassen, dass je nach Rolle festlegbar ist, wer welche Informationen sehen, bearbeiten und an wen weitergeben darf.

„Die ‚Dachdecker-App‘ kann wesentlich zum digitalen Strukturwandel im ländlichen Raum beitragen“, kommentiert Jens-Torsten Jacob, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Region Meißen und damit einer der Projektpartner, das Vorhaben. „Arbeitsprozesse finden eine spürbare Entlastung. Durch die KI-gestützte Dachziegelerkennung und die optimierte Echtzeit-Kommunikation stärken wir gezielt die Wettbewerbsfähigkeit unserer kleinen und mittelständischen Betriebe bei der Bewältigung von bürokratischem Aufwand und extremen Wetterereignissen. Außerdem sichert dieser innovative, extrem niedrigschwellige Ansatz die digitale Teilhabe älterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert. Es ergänzt und optimiert traditionelle Arbeitsprozesse durch digitale Kommunikationsmöglichkeiten und trägt damit auch zur Fachkräftesicherung bei. Moderne digitale Arbeitsmittel erhöhen die Attraktivität handwerklicher Berufe für jüngere Zielgruppen und verbessern die Arbeitsbedingungen für die bereits Beschäftigten.

Historische Dachziegel im Detail. Die digitale Sammlung von rund 1.300 Modellen bildet die Grundlage für die KI-gestützte Dachziegelerkennung.
Historische Dachziegel im Detail. Die digitale Sammlung von rund 1.300 Modellen bildet die Grundlage für die KI-gestützte Dachziegelerkennung. © Kreishandwerkerschaft Region Meißen

Erprobung und Transfer

Bis Ende 2026 soll ein funktionsfähiger Prototyp im Pilotbetrieb der Dachdecker Heinitz GmbH & Co. KG erprobt werden. Als weiterer Partner ist zudem die Dachdeckerinnung Meißen-Riesa-Großenhain beteiligt. Ein Workshop mit künftigen Anwenderinnen und Anwendern soll Praxiserfahrungen auswerten und weitere Verbesserungen ermöglichen.

Langfristig sollen die Erkenntnisse auch anderen Gewerken zugutekommen. Aufbauend auf dem Prototyp für Dachdeckerbetriebe könnte das digitale Werkzeug beispielsweise für Maler- oder Maurerbetriebe weiterentwickelt werden. So kann der Nutzen von der einzelnen Baustelle in die Breite des regionalen Handwerks der Elberegion Meißen und darüber hinauswirken.

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