Zum Wegwerfen zu schade

Bauen verbraucht jedes Jahr weltweit 60 Prozent aller Ressourcen. Allein die Herstellung von Zement setzt dreimal mehr CO2 frei als der gesamte globale Flugverkehr. Mit alternativen Konzepten will das Thüringer WIR!-Bündnis „renatBAU“ gegensteuern.

Hügel voller Bauschutt

Baumaterialien von Abrisshäusern nicht einfach wegzuwerfen, sondern weitestgehend wiederzuverwenden, spart Ressourcen und schont die Umwelt.

Adobe Stock/Sergej

Beim Online-Workshop mit über 60 Teilnehmenden zeigt sich das klar gesetzte Ziel des Bündnisses: nachhaltiger Bauen, um Ressourcen, die Natur und das Klima zu schützen. Doch welche Alternativen zu konventionellen Baustoffen gibt es und wie können sie klimaschonend produziert werden? Wie lassen sich knappe Ressourcen wie Sand einsparen und die Landschaft bei der Gewinnung von Rohstoffen schonen? Letzteres könnte durch eine Verpflichtung zu Renaturierungsmaßnahmen für den Abbau von Baustoffen geregelt werden. Deutschland nutzt jährlich etwa 560 Millionen Tonnen mineralische Rohstoffe zum Bau von Gebäuden. In derselben Zeit fallen durch Abriss 215 Millionen Tonnen Bauschutt an. Mehr als die Hälfte davon wird nur für die Verfüllung von Baugruben genutzt und 25 Millionen Tonnen Bauschutt landen jedes Jahr auf Deponien. Das geht auch anders, findet das Bündnis „renatBAU“, das aus dem Programm „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“ vom Bundesforschungsministerium gefördert wird. Stoffkreisläufe sollten wieder geschlossen werden, denn Baumaterialien werden zwar bereits zum Teil recycelt, aber nicht gleichwertig wiederverwendet – Ziegel zum Beispiel oder auch Gipsplatten. Zudem wird Gips momentan zentral und nicht regional recycelt. Das heißt, Gipsabfälle werden über weite Strecken transportiert, um sie zu verarbeiten. Der hohe Energieaufwand steht echter Nachhaltigkeit im Weg.

Mehr Akzeptanz durch hohe Qualität und fairen Preis

Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen

Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen haben eine bessere CO2-Bilanz und sind leichter recycelbar als herkömmliche Materialien.

Adobe Stock/Bruno Mader

Statt sie aufwändig zu recyceln, könnten Baumaterialien auch direkt wiederverwendet werden – so lautet einer von vielen Vorschlägen im Workshop. Das sollte allerdings schon vor der ersten Nutzung geplant werden. Natürliche Materialien wie Lehm sind dabei hilfreich, denn sie lassen sich leichter bearbeiten und ermöglichen eine direkte Wiederverwendung. Mit neuen Fügetechniken wären Baustoffe leichter zu trennen. Eine Variante sind Steckverbindungen, statt Kleber, Mörtel oder Schrauben. Dabei soll die Qualität der recycelten Materialien der von neuen Baustoffen in nichts nachstehen. Das ist wichtig für die Akzeptanz bei potenziellen Nutzern, genauso wie der Preis. Recyclingprozesse müssen wirtschaftlicher werden, um die derzeit hohen Preise für wiederverwendete Baumaterialien zu senken. Kurze Transportwege und eine Automatisierung der Schutt-Sortierung wären Voraussetzungen dafür. Für mehr Nachhaltigkeit beim Bauen könnte auch der Gesetzgeber sorgen, zum Beispiel indem die Hersteller Angaben zu Umweltverträglichkeit und CO2-Emmissionen ihrer Produkte machen müssen.

Innovative Ideen für eine Branche im Wandel

Selbst in der Beton- und Zementherstellung sind neue Materialien gefragt. Mit dem Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2038 fallen auch Nebenprodukte weg, die in Braun- und Steinkohlekraftwerken entstehen und für die Produktion von Beton und Zement derzeit genutzt werden. Dazu gehört Rauchgasentschwefelungsgips, der bei der Verbrennung von Braunkohle anfällt und zur Härtung des Betons beiträgt. Flugasche, ein Nebenprodukt von Steinkohlekraftwerken, ist ebenfalls wichtig für die Betonherstellung. Kalksteinhaltige Tone, die in großen Mengen verfügbar sind, könnten eine Alternative sein. Und auch die Verwendung von granulierter Hochofenschlacke, die bei der Herstellung von Roheisen anfällt, wäre denkbar. Die Online-Veranstaltung des Bündnisses „renatBAU“ hat deutlich gezeigt: an guten Ideen mangelt es nicht. Damit Forschende und Unternehmer diese in naher Zukunft umsetzen können, bauen die Beteiligten derzeit ein starkes Netzwerk auf und arbeiten gemeinsam an ihren Konzepten.

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