Widerstandsfähig durch die Krise

Wie geht das Personal in Krankenhäusern mit Ängsten und Unsicherheiten um, gerade jetzt, in Zeiten der Corona-Pandemie? Ein Forscherteam des Zwanzig20-Konsortiums „InfectControl“ startete dazu jetzt eine deutschlandweite Befragung.

„Wir möchten in dieser Befragung erfahren, wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Hochphase der Pandemie in ihrem Krankenhaus erlebt haben, wie sie mit schwierigen Situationen umgegangen sind und welche Erfahrungen sie für die Zukunft mitnehmen“, sagt Daniela Gröschke. Die Professorin für Interkulturelle Personal- und Organisationsentwicklung an der Friedrich-Schiller-Universität Jena leitet die Umfrage. Gröschke und ihr Team interessieren besonders, was die Krankenhausmitarbeiterinnen und -mitarbeiter motiviert, trotz der bedrohlichen Situation zur Arbeit zu gehen, und wie sie der Belastung standhalten können.

erschöpfte Ärztin im Krankenhaus

Ärztinnen, Ärzte, Pflegerinnen, Pfleger und das gesamte Personal in Krankenhäusern brauchen in Krisenzeiten eine hohe psychische Widerstandsfähigkeit, die durch Kommunikation gestärkt werden kann.

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Rückhalt durch Kommunikation

Dabei ist neben körperlicher Kraft vor allem psychische Widerstandsfähigkeit gefragt. Diese so genannte Resilienz spielt eine besondere Rolle in den Untersuchungen der Forschenden. Sie wollen wissen, wie sie die Resilienz des medizinischen Personals durch gezielte kommunikative Maßnahmen stärken können. Bereits im Vorfeld hat Daniela Gröschke eine Umfrage zum Umgang des Krankenhauspersonals mit hoch ansteckenden lebensbedrohlichen Infektionsfällen geführt. Dabei fanden sie und ihr Team heraus, dass die Kommunikation auf vier Ebenen stattfinden sollte: individuell mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, mit den Teams und Stationen, dem gesamten Krankenhaus sowie dem sozialen Umfeld des Personals. „Insbesondere das Pflegepersonal identifiziert sich sehr stark über die Teamzugehörigkeit, sodass viel Rückhalt auf dieser Ebene aktiviert werden kann“, erläutert Gröschke. „Auch das soziale Umfeld ist eine wichtige Ressource im Ernstfall und sollte durch gezielte Maßnahmen wie Informationsabende oder Beratungsangebote für Angehörige involviert werden.“

Aus den Resultaten der aktuellen Befragung wollen Gröschke und ihre Arbeitsgruppe effektive kommunikative Maßnahmen formulieren, mit denen die Widerstandskraft des Personals in Krisensituationen gestärkt werden kann. Gleichzeitig wollen sie den Bedarf für Schulungen und Krisenmanagement in Krankenhäusern erfassen und daraus resultierende Empfehlungen geben.