Vom Experiment zum Tagesgeschäft

Die QURATOR-Konferenz 2020 lockte Vertreter aus Kultur, Gesundheitswesen, Logistik, Energie, Industrie und dem Medienbetrieb an. Vorträge und Workshops gaben ihnen Einblicke in ein digitales Informationsmanagement auf Basis Künstlicher Intelligenz.

Wenn es um Künstliche Intelligenz gehe, sagt Georg Rehm, geisterten durch viele Köpfe die vermenschlichten und furchteinflößenden Roboter aus der Science-Fiction-Welt. Der am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) arbeitende Wissenschaftler erkennt aber auch einen positiven Sinneswandel: „Insbesondere Vertreter der Industrie können mittlerweile die Künstliche Intelligenz technisch sehr viel besser einschätzen.“

Teilnehmer der Konferenz im Gespräch

Peter Bourgonje, Georg Rehm und Malte Ostendorff (v.l.) vom QURATOR-Team im Gespräch.

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250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatte die QURATOR-Konferenz 2020, die kürzlich in Berlin stattfand. QURATOR steht für „Curation Technologies“. Georg Rehm ist wissenschaftlicher Leiter des vom Bundesforschungsministerium geförderten Wachstumskerns. Der Begriff „Kuratierung“ sei schon nicht mehr so erklärungsbedürftig wie noch vor einigen Jahren, sagt Bündnis-Sprecher Armin Berger, Inhaber der Berliner Agentur 3pc. Die arbeitet längst mit „Digitalen Kuratierungstechnologien“, kurz DKT. Die gleichnamige Forschungsinitiative wurde als WK Potenzial ebenfalls vom BMBF gefördert. Das Ergebnis sind neue Werkzeuge und Kuratierungs-Services zur Recherche, Anreicherung und Analyse, zur Kombination, Zusammenfassung und Internationalisierung von Wissensinhalten. Mit deren Hilfe entwickelt QURATOR intelligente Methoden und Verfahren für das Management und die Strukturierung digitaler Inhalte.

KI Marke Eigenbau

Das Fraunhofer-Institut für offene Kommunikationssysteme FOKUS Berlin ist ein QURATOR-Partner und war Gastgeber der diesjährigen Konferenz. Adrian Paschke, Leiter des Data Analytics Center am Fraunhofer FOKUS, ist einer der ersten Wegbereiter für die Künstliche Intelligenz (KI). Er koordinierte die vom BMBF geförderte InnoProfile-Transfer-Forschungsgruppe „Corporate Smart Content“, die Prozesse zur Erzeugung und Verwendung von semantisch veredelten, konzentrierten Unternehmensinhalten entwickelte. Paschke sieht anlässlich des großen Interesses an der QURATOR-Konferenz seinen Eindruck bestätigt: „Ob in den Bereichen Kultur, Medien und Journalismus, Logistik, Gesundheits- und Biowissenschaften, Energie oder Industrie – immer mehr Akteure beschäftigen sich mittlerweile mit der KI. Das Technologie-Unternehmen Bosch etwa oder das Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft in Hamburg entwickeln schon eigene problemorientierte KI-Lösungen.“ Eine Hürde sei es dann, die experimentellen Ergebnisse in das Tagesgeschäft zu integrieren, wissen die QURATOR-Bündnispartner und wollen darum ihre Kuratierungstechnologien der Öffentlichkeit präsentieren, beziehungsweise potenzielle Kundenkontakte knüpfen.

Frau sitzt vor Bildschirm und testet KI-Anwendungen

Im Praxisteil konnten KI-Werkzeuge insbesondere für Rechercheprozesse ausprobiert werden.

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Der smarte Newsroom

In Vorträgen und Workshops stellten sie ihre anwendungsorientierten IT-Lösungen und Prototypen vor – etwa für Storytelling und Ausstellungskuratierung, für das Prozess- und Wissensmanagement, für personalisierte Medizin und nicht zuletzt für die Produktion von medialen Inhalten. Der smarte, sprich intelligente Newsroom beispielsweise wird im Zeitalter von Internet und Social Media immer wichtiger. Aktuelle Beispiele etwa der medialen Berichterstattung sind die Waldbrände in Australien oder der Abschuss eines ukrainischen Passagierflugzeuges. Sie demonstrieren deutlich: Das Auffinden und Zusammenstellen von Fakten und Inhalten in kürzester Zeit ist ebenso wichtig wie die schnelle Überprüfung auf deren Richtigkeit beziehungsweise Echtheit. Tatsächlich haben die Medien-Arbeiter hohe Erwartungen an intelligente Technologien. Das sähe in den industriellen Anwendungsgebieten ähnlich aus, meint QURATOR-Sprecher Armin Berger und widerspricht den Negativmeldungen über wegfallende Arbeitsplätze. Die künstliche Intelligenz werde die des Menschen nicht ersetzen. Und im Zuge der demografischen Entwicklung würden die Menschen froh sein über intelligente Systeme als „Kollegen“ an der Werkbank, an der Maschine, am Fließband, am OP-Tisch ...

Die Teilnehmer der zweitägigen Konferenz zeigten sich beeindruckt, wie umfangreich das Angebot an KI-Lösungen mittlerweile ist – und konnten bekräftigen: Entwickler und Anwender müssen zusammenarbeiten.

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