Vertrauen gewinnen

Wer nach digitale Kuratierungstechnologien im Internet sucht, wird zu "QURATOR" gelenkt. Der Berliner Forschungsbund liegt weit vorn bei der Entwicklung von Werkzeugen, mit denen sich digitales Wissen strukturieren, managen und verwerten lässt.

Datenmeer

Digitales Wissen gleicht oft einem Meer aus unzählig von Daten. QURATOR entwickelt Werkzeuge, um dieses Wissen bündeln und strukturieren zu können.

Adobe Stock/peterschreiber.media

Die „Vendée Globe 2020“ erreichte auch jene, die bislang kaum etwas wussten über die härteste Solo-Segel-Regatta. Teilnehmer Boris Hermann schickte spektakuläre Live-Bilder in die Welt. Jetzt ist er ein gefragter Interviewpartner, zeigt Bilder und Videos über sein Leben auf See. Die multimedialen Informationen häufen sich, keine Redaktion kann alle im Blick behalten, geschweige denn handhaben.

Das Berliner Forschungsbündnis „Curation Technologies“, kurz QURATOR, entwickelt intelligente Methoden und Verfahren für das Management und die Strukturierung von digitalem Wissen. Bündnispartner wie die Condat AG haben unter anderem das Rundfunkanstalten und Verlage als Kunden. Diese profitieren von den modernen Technologien und entwickeln Prototypen für Assistenzsysteme, die in digitalen Inhalten recherchieren, analysieren, kombinieren, zusammenfassen – und daraus wieder neue Inhalte erzeugen. „Digitale Kuratierung“ ist das Fachwort dafür. Gibt man das in Internet-Suchmaschinen ein, steht QURATOR ganz vorn.

Als der vom Bundesforschungsministerium geförderte Wachstumskern 2018 startete, waren die Akteure „Vordenker“ digitaler Begegnungs-, Kommunikations- und Arbeitsformen und hatten eine „Ahnung“, welche Lösungen der digitale Wandlungsprozess braucht, um von den Nutzern als Fortschritt empfunden zu werden. Die Visionen haben sich zu anwendungsfähigen Werkzeugen weiterentwickelt. Kuratierungstechnologien können selber eine Story erstellen – etwa über den Ernährungsplan von Boris Hermann während seiner 80-tägigen Weltumseglung.

Technik, mit der man sich wohlfühlt

Kürzlich fand die „QURATOR Conference 2021“ statt – ausschließlich in virtuellen Räumen. Zirka 600 Teilnehmer tauschten sich grenzüberschreitend und von Corona ungehindert über Bedürfnisse, Entwicklungen und Anwendungsbeispiele aus. Unvorhergesehen sei die Corona-Pandemie zum Antrieb für die Optimierung digitaler Kuratierungstechnologien geworden, sagt Bündnissprecher Armin Berger, Chef der Berliner Internetagentur 3pc. Allerdings, so Berger, müssten die Entwickler moderner Technologien mit den potenziellen Anwendern im steten Austausch sein.

Es gehe um ein gemeinsames Verständnis, um Klarheit in der Bedienung und am Ende um Vertrauen in die technischen Lösungen. Niemand wolle freiwillig mit Technik umgehen, mit der er sich nicht wohl fühlt. Stefan Grill, Innovationsberater bei 3pc, macht auf ein Problem unserer Zeit aufmerksam: „Die digitalen Technologien entwickeln sich schneller als die Gesellschaft Zeit hat, sich an sie zu gewöhnen und sie zu akzeptieren. Einst erfand ein Haushaltsgerätehersteller den Slogan 'Aus Erfahrung gut '. Die digitalen Hilfsmittel müssen dieses Vertrauen erst gewinnen.“ – QURATOR will das Fundament dafür legen.

Technik, die man versteht

„Sich gegenseitig verstehen“ war denn auch das primäre Anliegen der diesjährigen QURATOR-Konferenz für Teilnehmende mit Fragen und Antworten mit ganz unterschiedlichem Background . In der Kultur- und Medienbranche, im Gesundheitswesen, in Industrieunternehmen oder in öffentlicher Verwaltung, nicht zuletzt in der Wissenschaft häuft sich digitales Wissen zu wertvollem Betriebskapital an. Das muss gemanagt und verwaltet werden, um einfach, schnell und anwendungsorientiert darauf zugreifen zu können. Zum anderen müssen die Inhalte für die Endnutzer in verschiedenste Medienformate überführt werden. „Zur Vielfalt der Empfangsgeräte kommen immer neue hinzu wie derzeit die Virtual-Reality-Brille. Und niemand von uns weiß, was es in Zukunft noch alles gibt“, sagt Stefan Grill.

Durch intelligente Maschinen ersetzt zu werden, so Grill, sei eine unbegründete Angst: „Die Maschine ist nur so schlau, wie die Daten, von denen sie lernt. Da bleibt es unerlässlich, dass Fachleute die Daten so aufbereiten, dass sie von KI-basierten Werkzeugen sinnvoll genutzt werden können.“ Die QURATOR-Plattform stelle die Basistechnologien dafür zur Verfügung. Die sollen künftig so selbstverständlich im vertrauensvollen Gebrauch sein wie Kaffeemaschine und Navigationssystem.

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