Südniedersachsen will Wasserstoffregion werden

Deutschland strebt weltweit einen Spitzenplatz an bei Entwicklung und Vertrieb von grünen Wasserstofftechnologien. Südniedersachsen will sich einbringen und sieht die Chance für einen Strukturwandel zur Wasserstoffregion.

VirdisH2-online-Workshop

Moderne Kommunikationswege: Dr. Tim Schneider (vorn) und Dr. Benjamin Schulze führen durch einen ViridisH2-online Workshop.

SüdniedersachsenStiftung

„Südniedersachsen will Wasserstoffregion werden“ – so steht es auf der Internetseite der Südniedersachsenstiftung. Das scheint auf den ersten Blick hoch ambitioniert. Tim Schneider, Verbundkoordinator bei der SüdniedersachsenStiftung, führt ganz selbstbewusst zuvorderst an, was die Region „nicht“ als typische Wasserstoffregion auszeichnet: keine überschüssige Windenergie und keine Nähe zur chemischen Industrie, wo Wasserstoff als Nebenprodukt anfällt. In die Waagschale wirft er regional verankerte Kompetenzen im Umgang mit Wasserstoff aus der Stahlindustrie sowie die Nähe zur angewandten Forschung auf dem Wasserstoffcampus in Salzgitter. Schwer wiegen auch Mut und Willen zur Umstrukturierung des ländlichen Raumes um Goslar, Göttingen, Holzminden und Northeim. „Die Klima-, Energie- und Mobilitätswende ist entscheidendes Kriterium für eine lebenswerte Zukunft. Wir wollen zu den Pionieren gehören und jetzt auch in Südniedersachsen diesen Wirtschaftszweig aufbauen“, Benjamin Schulze, ebenfalls SüdniedersachsenStiftung, spricht für die Initiatoren des Projektes „VridisH2 Südniedersachsen“. Die entwickeln derzeit ein Konzept für besagten Strukturwandel und werden dabei aus dem Programm „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“ des Bundesforschungsministeriums finanziell gefördert.

Lutaufnahme einer Biogasanlage

Potenzial für grünen Wasserstoff: Die Luftaufnahme zeigt eine Biogasanlage bei Gieboldehausen im Landkreis Göttingen.

Stefan Rampfel

H2-Akzeptanz erhöhen

„Viridis“ kommt aus dem Lateinischen und heißt „grün“. Denn nur aus grünen Quellen erzeugter Wasserstoff hat das Potenzial für einen Energieträger der Zukunft. ViridisH2-Projektleiter Schulze bringt die Vorzüge der Nähe zur Landwirtschaft ins Spiel. Hier komme erneuerbarer Strom aus Biogas- und Photovoltaikanlagen. Und hier könne der regional erzeugte Wasserstoff gleich vor Ort verwendet werden, etwa von den Fahrzeugflotten der landwirtschaftlichen Betriebe selbst.

Wie mutige Vordenker zu allen Zeiten müssen auch die ViridisH2-Enthusiasten zuallererst Überzeugungsarbeit leisten. Einerseits stoßen sie auf großes Interesse bei Wirtschaft und Verwaltung, aber auch auf Zurückhaltung in dieser Planungsphase, die noch viele Fragen offenlässt.

War zuerst die Henne da oder das Ei? Mit dieser gängigen Fragestellung bezüglich des nicht zu benennenden Auslösers einer Kausalkette machen die VridisH2-Initiatoren ihren gedanklichen Ansatz verständlich: Es müsse nicht zwangsläufig Wasserstoff schon vorhanden sein, um der Region mit einer H2-Wertschöpfungskette ein neues Profil zu geben.

Zunächst wollen die Visionäre geeignete Instrumente entwickeln, um die Akzeptanz in der Bevölkerung und die Einstiegsbereitschaft von potenziellen Bündnispartnern zu erhöhen.

H2-Wertschöpfung in der Landwirtschaft

„VridisH2 Südniedersachsen“ geht auch digitale Kommunikationswege, um Interessenten zu erreichen und ein weites Netzwerk aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zu knüpfen – mit dem Ziel, sich auf dem deutschen Markt für Wasserstofftechnologien zu platzieren. Erste Projektideen werden in online-Veranstaltungen vorgestellt und diskutiert. Sie befassen sich etwa mit einem Hybridkraftwerk GreenH2, mit energieautarken Landwirtschaftsbetrieben oder mit einer intelligenten Systemaussteuerung der H2-Wertschöpfungskette. „Ein früher Einstieg in die Thematik ist auch mit einer größeren Chance verknüpft, dass sich unsere Region über einen Zeitraum von 20 bis 30 Jahren zu einer Wasserstoffregion mit ihren Alleinstellungsmerkmalen entwickeln kann“, sagt Tim Schneider und denkt dabei auch an die Attraktivitäts-Steigerung, die Fachkräfte und Investoren anlockt.

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