Strom und Wärme durch Wasserstoff

Die Wasserstoff-betriebene Brennstoffzelle war lange Zeit eine Vision der Berliner inhouse engineering GmbH. Jetzt, in Zeiten der Energiewende, wird sie Realität. Im H2-Testdorf in Bitterfeld-Wolfen steht ein Wasserstoff-Blockheizkraftwerk.

„inhouse engineering“ – der Unternehmensname lässt erahnen, woran die Ingenieure, Elektro- und Umwelttechniker arbeiten: an intelligenten und effizienten Lösungen für die Energieerzeugung und -nutzung. „Wenn Großbauten wie etwa Büros, Hotels, Kaufhäuser, Restaurants oder Seniorenheime technisch ausgerüstet werden, dann braucht es Schaltschränke, damit Heizung, Lüftung und Klimaanlage funktionieren. Diese entwickeln und bauen wir“, spricht Geschäftsführer Christoph Hildebrandt das ureigene Geschäftsfeld an. 1991 hatten Berliner Ingenieure die GmbH gegründet. Mit dem Kundenstamm wuchsen auch die Visionen. Eine davon rückte die Energieerzeugung mittels Brennstoffzelle – sogar die mit Wasserstoff betriebene – in den Fokus. Der Vorteil: „Mit entsprechendem Know-how lässt sich ein Gebäude nicht nur beheizen, sondern auch mit Energie versorgen“, sagt Hildebrandt und erwähnt das großflächig vorhandene Netz von Erdgasleitungen, das genutzt werden kann. Vor beinahe 20 Jahren kam Hildebrandt als Entwicklungsingenieur zu „inhouse engineering“. Damals mussten er und seine Kollegen erkennen, dass die Zeit noch nicht reif war für die Brennstoffzelle. Was nicht heißt, dass sie aus den Köpfen der „inhouse“-Entwickler verschwand. Irgendwann werde der Markt Bedarf anmelden; mit dieser Überzeugung knüpften die Berliner Visionäre ihr Forschungsnetzwerk. Eingebunden sind unter anderem die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, die Bergakademie Freiberg und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

Durchbruch mit der Energiewende

Block und Hildebrandt beim Gespräch am Schreibtisch

Inhouse engineering-Geschäftsführer Christoph Hildebrandt und H2-Home-Koordinator Matthias Block (v.l.) arbeiten schon lange an der H2-betriebenen Brennstoffzelle.

PRpetuum GmbH

Längst sind Entwicklung und Bau von Brennstoffzellen-Blockheizkraftwerken (BHKW) ein großes Geschäftsfeld der inhouse engineering GmbH. Als Systemingenieur Matthias Block nach seinem Studium 2006 hierherkam, gab es erste Versuche mit reinem Wasserstoffbetrieb – „aber immer noch keinen Bedarf“, erinnert sich Block. Inzwischen stehen alle Zeichen auf Energiewende. Die inhouse-Ingenieure können nun zeigen, dass Wasserstoff zur Minderung der CO2-Emission und zur effizienten Energieerzeugung und -nutzung beiträgt. „Die Erzeugung von Wasserstoff ist zwar teurer als Erdgas, dafür aber ist die Energie-Wärme-Kopplung hocheffizient“, sagt Block und betont: „Der richtige Durchbruch für unsere firmeneigene Forschung und Entwicklung kam mit dem Kontakt zum HYPOS-Netzwerk.“

HYPOS (Hydrogen Power Storage & Solutions East Germany) wird im Rahmen des Programms „Zwanzig20 – Partnerschaft für Innovation“ vom Bundesforschungsministerium gefördert. Das Konsortium legt den Fokus auf „grünen“ Wasserstoff aus erneuerbarem Strom und entwickelt die komplette Wertschöpfungskette, um ihn zu speichern und zu transportieren. Inzwischen ist im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen ein H2-Netz, das sogenannte Wasserstoffdorf, unter Realbedingungen im Testbetrieb.

H2-Blockheizkraftwerk im Test

Teil der Infrastruktur ist das HYPOS-Projekt "H2-Home", federführend von inhouse engineering initiiert. „Wir entwickeln ein Brennstoffzellen-Blockheizkraftwerk, das Wasserstoff in Strom und Wärme umwandelt“, sagt Koordinator Matthias Block und verweist auf das große Interesse an den Tagen der offenen Tür im Test-Dorf. Hier werden auch die Endanwendungen auf Wasserstoffbasis erforscht und dazu verschiedene Verbrauchseinrichtungen an das H2-Netz angeschlossen, so auch das Wasserstoff-Blockheizkraftwerk. Im Innovationspavillon kann man sich über die Endverbrauchstechnologie informieren.

im Aufbau befindliches H2-Blockheizkraftwerk

Christoph Hildebrandt und Matthias Block (v.l.) zeigen ein im Aufbau befindliches H2-Blockheizkraftwerk.

PRpetuum GmbH

Im vergangenen Herbst hat das Berliner Unternehmen die Brennstoffzelle für eine H2-Tankstelle an der A9 geliefert. „Hier konnten wir unsere Kenntnisse aus HYPOS einfließen lassen“, betont Firmenchef Hildebrandt. Gerade freut er sich über eine Anfrage aus Chile. Dort gibt es Interesse für Demo-Projekte mit dem H2-Blockheizkraftwerk.

Ein Forschungsbestandteil sei übrigens die Riechbarmachung des Wasserstoffes mit sogenannten Odormitteln, sagt Matthias Block. inhouse engineering untersucht die Reaktion der Brennstoffzelle auf diese Duftstoffe.

Termine zur Wasserstoffdorf-Besichtigung unter http://www.hypos-eastgermany.de/nc/blog/events/h2-netz-tag-der-offenen-tuer/