Startschuss für das weltweit erste Carbonbetonhaus

Diese Baugenehmigung wird wohl Geschichte schreiben: Mitten in Dresden darf zum ersten Mal ein Haus aus Carbonbeton errichtet werden. Bauherr ist das visionäre Zwanzig20-Bündnis Carbon-Concrete-Composite – C3.

CUBE heißt das Carbonbeton-Versuchshaus, das für eine neue Ära des Bauens stehen soll, vielleicht sogar für ein Umdenken in der gesamten Branche. Schließlich ist Carbonbeton im Vergleich zum herkömmlichen Stahlbeton materialsparend, langlebig und recycelbar. Die Carbonbewehrung rostet nicht und kommt deshalb mit einer dünneren Betonschalung aus. 50 bis 80 Prozent Beton lassen sich dadurch einsparen.

Versuchshaus CUBE von oben

Vogelperspektive: Das Versuchshaus CUBE entsteht in direkter Nachbarschaft zum Campus der Technischen Universität Dresden.

Institut für Massivbau TU Dresden

Das ist eine Menge, gemessen am jährlichen Verbrauch von acht Milliarden Kubikmeter Beton weltweit. Beton besteht aus Sand und Kies, die inzwischen knapp werden, und aus Zement, dessen Herstellung fast sechseinhalb Prozent des CO2-Ausstoßes auf der Welt verursacht. Das ist ungefähr das Dreifache dessen, was die gesamte Luftfahrtindustrie verursacht. „Es sind unglaubliche Mengen an Rohstoff, die wir verbrauchen und Luft, die wir verschmutzen, um Wohnraum oder Brücken zu errichten“, sagt Manfred Curbach, Leiter des Instituts für Massivbau an der Technischen Universität Dresden und Vorstandsvorsitzender von C3.

Vom Labor in die Praxis

CUBE soll zeigen, dass es auch anders geht. Dafür haben die Wissenschaftler und Unternehmer des C3-Netzwerkes viele Jahre umfangreiche Forschungsarbeit geleistet, Materialien, Konstruktionen und die Belastbarkeit der neuartigen Bauelemente getestet.  Mit dem Versuchshaus wollen sie nun über einen längeren Zeitraum erproben, wie tauglich Carbonbeton hinsichtlich der Baukonstruktion, Statik und Bauphysik ist.

Fensterfront des CUBE

Durch die Fensterfront des CUBE fällt viel Licht.

Institut für Massivbau TU Dresden 

Ansicht des CUBE im Dunkeln

Hingucker: TWIST heißen die geschwungenen Dachelemente des Hauses. Sie zeigen, welche neuen Designs Carbonbeton ermöglicht.

Institut für Massivbau TU Dresden 

Meeting im CUBE

Offen und hell – das CUBE von innen

Institut für Massivbau TU Dresden

Außenansicht des CUBE

Filigran und kubistisch – das CUBE von außen

Institut für Massivbau TU Dresden 

Auch die Betriebs- und Lebenszykluskosten eines Gebäudes aus Carbonbeton wollen die Ingenieure mit CUBE beurteilen. Das futuristische Bauwerk besteht aus zwei Teilen: TWIST und BOX. Die beiden TWIST-Elemente sind symmetrisch gegenüber angeordnet. Sie drehen sich aus der Wand heraus ins Dach hinein und bilden den seitlichen und oberen Raumabschluss. TWIST zeigt, welche ungewöhnlichen und filigranen Formen mit der Carbonbetonbauweise möglich sind. Die BOX ist der wesentliche Teils des Versuchshauses. Sie bietet Raum für Meetings und Langzeittests von Bauelementen. Dazu gehören Fassadenplatten, Wände und multifunktionale Carbonbetonelemente im Außen- und Innenbereich.

Dass der Bau von CUBE nun genehmigt wurde, zeigt, wie sehr sich die Beharrlichkeit des C3-Konsortiums gelohnt hat. Im März wird der Grundstein in der Dresdner Einsteinstraße gelegt und bis Dezember 2020 soll der Bau des Gebäudes abgeschlossen sein.