Schieferfassade mit neuen Eigenschaften

Schieferfassaden haben im Harz Jahrhunderte alte Tradition. Jetzt will ein Forschungsbündnis neue Schieferverbundmaterialien mit Sensoren verknüpfen und für die Solarthermie nutzen, um das Hausinnere zu klimatisieren.

Hausfassaden mit Schiefer verkleidet.

Im Harz sind Schieferfassaden wie hier in Clausthal traditionell. Jetzt werden neue Schieferverbundmaterialien entwickelt, die sich für die Solarthermie eignen.

PRpetuum GmbH

Im Ortsbild der niedersächsischen Harzstadt Clausthal-Zellerfeld fallen die vielen Häuser auf, deren Giebel – und häufig ganze Fassaden – mit Schiefer verkleidet sind. Ein Material, das im Harz natürlich vorkommt. Nicht nur darum hat die Schieferverkleidung hier eine Jahrhunderte alte Tradition. Schon unsere Vorfahren wussten die Eigenschaften dieses Materials zu schätzen, vor allem seine lange Haltbarkeit und Schmutzresistenz. In der Region um Clausthal und Goslar wird deutlich, dass auch die Bauherren unserer Zeit die Vorteile dieses Material zu schätzen wissen und neben den traditionellen auch moderne Bauten mit der schuppenartigen Deckung verkleidet werden. „Wir gehen da noch einige Schritte weiter und wollen Schieferfassaden für die Solarthermie nutzen, also zur Umwandlung der Sonnenenergie etwa in Wärme zu Heizzwecken oder in elektrischen Strom“, sagt Randolf Hoffmann. Mit „wir“ meint er "C3-tech", ein vom Bundesforschungsminsiterium gefördertes RUBIN-Bündnis, das nun zum ersten Treffen nach Clausthal-Zellerfeld eingeladen hat.

Neue Materialkombinationen

Hinter C3-tech steckt „counter climate change technologies“ – Menschen erfinden Technologien gegen den vom Menschen verursachten Klimawandel. Für die traditionellen Fassadenelemente werden neuartige Materialkombinationen entwickelt. Das sollen mit Schiefer gefüllte Kunststoffe sein, die im Spritzgießprozess hergestellt werden. Von außen soll sich die Fassadenfläche kaum vom natürlichen Schiefer unterscheiden. Der sei auch in natura nicht immer grau, meint Randolf Hoffmann. Er leitet die Forschungs- und Entwicklungsabteilung der MID Solutions GmbH in Bad Grund. Der Firmenname ist Programm: Das Unternehmen hat besondere Expertise auf dem Gebiet der MID-Technologie. Mit der „Molded Interconnect Device“-Technik lassen sich auf der Oberfläche von Bauteilen sichtbare, dreidimensionale Leiterbahnen anbringen. Damit können gleichzeitig mechanische und elektronische Funktionen auf einem Formteil integriert werden. Die schieferverkleideten Hausfassaden für die Solarthermie zu nutzen, ist ein innovatives Vorhaben, wofür das Unternehmen weitere Projekt-Partner gewinnen konnte. Die HF Kunststofftechnik im Südharzer Städtchen Hattorf hat Kompetenzen auf dem Gebiet des Verbundspritzgießens. Das Clausthaler Zentrum für Materialtechnik erforscht modernste Werkstoffe und Materialien hinsichtlich ihrer ressourcenschonenden und ökologisch wie ökonomisch sinnvollen Verwendung. Gemeinsam erstellt jetzt das Dreierteam ein Konzept für C3-tech.

Recycling mitdenken

Mit der zu entwickelnden selbstregulierenden Aktorik könnten die Elemente nicht nur Wärme aufnehmen und weiterleiten, sondern auch das Kollektorsystem zu- oder abschalten. Zudem werde das Forschungsbündnis seine innovative Idee bis ans „Lebensende“ einer Hausfassade weiterführen und auch den Recycling-Prozess der Materialien mitdenken. Mit ihren nachhaltigen Technologien und Produkten wollen die C3-tech-Akteure weitere Partner gewinnen, mit denen sie den Weltmarkt erobern. Sie rechnen sich große Chancen aus. Schließlich reduzieren Fassadenelemente, die quasi als Heizung beziehungsweise Klimaanlage fungieren, erheblich die Treibhausgasemissionen.

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