Nützliche Quellen statt Datenflut

Die Condat AG entwickelt innerhalb des „QURATOR“-Bündnisses KI-basierte Tools zur Aufbereitung audiovisueller Materialien. Denn TV-Redaktionen sollen Datenströme nicht als Überflutung erleben, sondern als nutzbare Quelle für Nachrichten und Stories.

In einem Großraumbüro sitzen ein Mann und eine Frau vor mehreren Bildschirmen.

Künstliche Intelligenz ist besonders effizient und spart Zeit dabei, sehr große Datenmengen zu kuratieren.

Adobe Stock / Ondrej Novotny

Unzählige Handys filmten jüngst in Echtzeit, wie die Wasserfluten Orte und Landschaften im Westen Deutschlands zerstörten. Private Videos kursieren in den sozialen Medien, werden aber auch von Fernsehsendern gezeigt. „Redaktionen greifen längst nicht nur auf branchenübliche Quellen wie Nachrichtendienste zurück. Unter anderem auch die sozialen Medien enthalten eine Fülle von Informationen“, sagt Rolf Fricke. Der IT-Spezialist weiß um die Datenflut, die tagtäglich und insbesondere bei Großereignissen auf die Medien einströmt. Er leitet die Forschung und Entwicklung bei der Condat AG. Das Berliner IT-Unternehmen entwickelt intelligente Redaktionstools, die den Medienarbeiterinnen und -arbeitern helfen, Inhalte schnell und zielgerichtet zu finden. Zu den Kunden von Condat gehören unter anderem das ZDF, der WDR und der rbb. Sie nutzen Tools der von Condat entwickelten „Smart Media Engine“, die den Redaktionen dabei hilft, audiovisuelle Inhalte intuitiv zu finden und gute Stories unter immer neuen Aspekten zu erarbeiten.

KI beherrscht Datenströme

Wenn Rolf Fricke von den „sicheren“ Nachrichtenquellen spricht, dann meint er diejenigen mit einer hohen Glaubwürdigkeit. Sind die anderen, etwa die sozialen Kommunikationskanäle per se unglaubwürdig? „Ich bin froh, dass beispielsweise Twitter eine freie Meinungsbildung zulässt. So vermitteln die Kurznachrichten ein vielfältiges Stimmungsbild“, betont der Kommunikations-Experte und stellt klar, dass die Abgrenzung der Meinungsäußerungen zwischen seriös und unseriös, zwischen korrekt und falsch, legal und illegal von außen vorgenommen werden müsse.

Damit sind zum Beispiel die Fernsehredaktionen in der Pflicht. Sie stehen im Wettbewerb um größtmögliche Aufmerksamkeit unter hohem Kommunikationsdruck und wegen der kurzen Produktionszyklen unter hohem Zeitdruck. Zudem haben die öffentlich-rechtlichen Sender den Auftrag der Orientierungshilfe. Dies leistet der Entwicklung KI-basierter Technologien Vorschub. „Wir wollen die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz nutzen, um die großen Datenbestände beherrschbar zu machen“, erklärt Fricke und meint mit „wir“ das QURATOR-Bündnis, zu dem die Condat AG gehört. Der vom Bundesforschungsministerium geförderte Wachstumskern ging 2018 an den Start.

DRei Männer im Gespräch auf einer Konferenz vor Bildschirmen

Rolf Fricke von Condat (links) und Armin Berger von 3pc (rechts) stellen Matthias Schulze von der Stiftung Wissenschaft und Politik des Wachstumskerns QURATOR auf der re:publica-Konferenz vor.

QURATOR / SIBB

KI hilft bei Recherche

QURATOR steht für Curation Technologis – also für das Suchen, Auswählen, Zuordnen, Zusammenfassen, Bewerten und Verknüpfen von digitalen Informationen. KI-Technologien können multimediale Inhalte wie Texte, Bilder und Videos automatisch suchen und erschließen, empfehlen, sortieren und clustern. Condat entwickelt innerhalb des QURATOR-Bündnisses intelligente selbstlernende Verfahren, die die Ergebnisse weiter optimieren.

Die Künstliche Intelligenz sei besonders effizient und spare Zeit dabei, große Datenmengen wie etwa bei der Flut-Berichterstattung zu kuratieren, sagt Fricke: „Selbständig durchsucht die KI in Echtzeit die Meldungen, sortiert sie nach Relevanzkriterien, nach Anzahl der Klicks und nach Keywords. Wir entwickeln auch KI-Werkzeuge, die sehen können, welche Meinungen überwiegen und die eine Nachricht bis zu ihrem Original, bis zu ihrer Quelle zurückverfolgen können

Technologische Innovationen optimieren die künstlichen neuronalen Netzwerke, die das Datenmaterial immer besser erschließen und aufbereiten können. Einordnen und die letzte Entscheidung treffen, betont Fricke, müssten am Ende aber immer die Redakteurinnen und Redakteure mit Hilfe ihrer Erfahrungen und ihrer persönlichen Netzwerke.

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