Mobil mit Grünem Wasserstoff

Verkehrskonzepte entscheiden über Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit von dünn besiedelten Regionen. Das WIR!-Bündnis „ViridisH2“ aus Südniedersachsen will die neue Mobilität mit Grünem Wasserstoff antreiben.

Wasserstoff betriebener Bus

Mit Wasserstoff betriebene Busse sind ein Teil der Strategie von ViridisH2, den ÖPNV nachhaltiger zu gestalten.

Oleksandr

Demografische Veränderungen verlangen nach neuen Konzepten für die Mobilität. Diese ist ein Schlüssel zur Gestaltung attraktiver Lebens- und Arbeitsbedingungen – auch und vor allem im dünn besiedelten und ländlichen Raum. Gleichsam muss die Mobilität ihren Beitrag zur Energiewende leisten. Engagierte Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kommunen in Südniedersachsen sehen im Wasserstoff eine klimaneutrale Lösung. Diese Vision hatte schon Jules Verne vor 145 Jahren: „... Die Energie von morgen ist Wasser, das durch elektrischen Strom zerlegt worden ist. Die so zerlegten Elemente des Wassers – Wasserstoff und Sauerstoff – werden auf unabsehbare Zeit hinaus die Energieversorgung der Erde sichern“, schrieb er in seinem Roman „Geheimnisvolle Insel.“ Doch die Idee schaffte es lange nicht zum ganz großen Durchbruch. Die Elektrolyse braucht Strom, das macht sie teuer; teurer als die Förderung von Kohle und Erdöl; teurer als die Erzeugung von Kernenergie. So war es jedenfalls bisher.

Technologien des 21. Jahrhunderts machen es möglich, „Grünen“ Wasserstoff aus natürlich vorkommenden Energiequellen wie Wind, Sonne und Biomasse zu erzeugen. Eine der Weiterentwicklungen von Jules Vernes Idee hat den Namen „ViridisH2“. Das Forschungsbündnis aus Südniedersachsen entlieh diese Bezeichnung für „grün“ aus dem Lateinischen. ViridisH2 strebt die Etablierung einer Grünen Wasserstoffwirtschaft für den Mobilitätssektor in der Region mit ihrem Oberzentrum Göttingen an. Die Entwicklung des Konzeptes dafür wird derzeit aus dem Förderprogramm „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“ vom Bundesforschungsministerium unterstützt.

Konzept für Öffentlichen Personennahverkehr

Kreislauf der Wasserstofferzeugung

ViridisH2 sieht im Grünen Wasserstoff einen klimaneutralen Antrieb für den Mobilitätssektor in Südniedersachsen an. 

ViridisH2

„2017 waren in Deutschland 20,8 Prozent des Emissionsausstoßes auf den Verkehrssektor, und davon 94 Prozent auf den Straßenverkehr zurückzuführen; Tendenz steigend“, sagt Benjamin Schulze, Leiter des ViridisH2-Projektes. Was eine klimafreundliche Mobilität betrifft, so Schulze, sei der Grüne Wasserstoff analog zur Zunahme des Gewichts des Verkehrsmittels und der Wegstrecke in Zukunft das überlegene Antriebsmittel gegenüber der reinen Elektromobilität. Von der Erzeugung regenerativer Energien über deren Umwandlung in Grünen Wasserstoff bis zum Transport hin zum Endnutzer solle nun geprüft werden, wie sich in Südniedersachsen eine Grüne Wasserstoffwirtschaft aufbauen ließe. Die Region habe sich da in den vergangenen Jahren schon gut aufgestellt, macht Projektkoordinator Tim Schneider auf sektorenübergreifende lokale Netzwerke aufmerksam, in denen sich Energiewirtschaft, mittelständische Industrieunternehmen, Hochschulen und wissenschaftliche Einrichtungen begegnen. Im Fokus des ViridisH2-Bündnisses steht zunächst die Ausarbeitung eines Mobilitätskonzeptes für den Öffentlichen Personennahverkehr, einhergehend mit Machbarkeitsprüfung und Analyse der Akzeptanz in Wirtschaft und Bevölkerung.

Prüfung der Akzeptanz für Wasserstoff

Zum Kernteam, das ViridisH2 auf den Weg bringt und ein Partnernetzwerk aufbaut, gehören die SüdniedersachsenStiftung, die Forschungsgruppe Smart Mobility Research an der Universität Göttingen und die ELO Mobility GmbH. Letztere kann ihre ingenieurtechnischen Kompetenzen an den Schnittstellen innerhalb der Wasserstoff-Kreislaufwirtschaft einbringen und intelligente Softwaresteuerungen entwickeln.

Spezialgebiet der interdisziplinären Smart Mobility Research Group an der Universität Göttingen ist die Entwicklung moderner Verkehrskonzepte inklusive wirtschaftlicher Bewertung der neuen Technologien und Systeme.

Unter dem Dach der SüdniedersachsenStiftung wurde von Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kommunen und dem Amt für Regionale Landesentwicklung eine neue Regionalstrategie für Südniedersachsen erarbeitet, in der das ViridisH2-Projekt gut angesiedelt sei, sagt Benjamin Schulze.

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