Konferenzen in digitalen Räumen

Die ersten internationalen Konferenzen finden in digitalen Räumen statt, Messen und Live-Events könnten folgen. Dem Berliner Forschungsbündnis „QURATOR“ eröffnen sich damit neue Anwendungsfelder für seine digitalen Kuratierungstechnologien.

„Wer heute relevant sein will, muss digital kommunizieren“, war eine Devise von Armin Berger schon vor der Corona-Pandemie. Der Inhaber der Berliner Agentur 3pc und seine Mitarbeiter erleben die Krise als große Digitaloffensive. Denn aus den Kontakteinschränkungen heraus ergeben sich diverse Bedürfnisse nach digitalen Technologien. „Unsere Kunden signalisieren Bereitschaft, einen Teil ihres Lebens in die digitale Welt zu verlegen – und das möglichst schnell“, sagt Berger und nennt als Beispiel Seminare, Messen, Konferenzen oder Live-Events weltweit, die auf unbestimmte Zeit nicht physisch besucht werden können.

Teilnehmer der Videokonferenz

QURATOR-Bündnispartner treffen sich im digitalen Raum.

3pc

Werkzeuge für Wissensinhalte

Wenn die Begegnung im virtuellen Raum jetzt wachsende Akzeptanz erfährt, kommt QURATOR zum Einsatz. Das Kunstwort steht für „Curation Technologies“ und bezeichnet eine vom Bundesforschungsministerium geförderte Wachstumskerne-Initiative. Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft entwickeln neue digitale Werkzeuge zur Recherche, Anreicherung und Analyse, Kombination, Zusammenfassung und Internationalisierung von Wissensinhalten.

Die sogenannten digitalen Kuratierungstechnologien hängen eng mit maschinellem Lernen und Künstlicher Intelligenz zusammen. „Die QURATOR-Kernidee ist eine Kuratierungsplattform, die das schnelle und sichere Management von Wissensinhalten unterstützt und die sich bei der Begegnung in virtuellen Räumen unentbehrlich macht“, meint Armin Berger. Er ist der Sprecher des QURATOR-Bündnisses. Veranstalter, die ihre Konferenzen, Kongresse oder Seminare in digitale Räume verlegen, müssen eine hohe Qualität bieten, zumal es in Zukunft um Bezahl-Angebote gehe, sagt Berger. Da brauche es digitale Management-Systeme, die Materialien aufbereiten, Inhalte in Echtzeit zusammenfügen und dabei auf unterschiedliche Fragestellungen und Erwartungen eingehen.

Corona-Radar für Reiseplanung

Auch andere QURATOR-Bündnispartner kommen den neuen Bedürfnissen nach digitalem Leben entgegen: Die Ubermetrics Technologies GmbH, ein Spezialist für KI-basierte Medienanalyse, entwickelt einen „Corona-Radar“, der in Zukunft bei Reiseplanungen helfen kann. Das System sammelt und analysiert alles, was im Internet über Corona-Infektionsherde weltweit berichtet wird. Das Gesundheitsunternehmen Ada Health hingegen bietet ein Online-Angebot zur schnellen Selbstanalyse von Corona-Symptomen.

Das Fraunhofer-Institut für offene Kommunikationssysteme FOKUS bereitet QURATOR-Technologien für die Verfolgung von Infektionsketten vor. Dabei kommen Mobilgeräte zum Einsatz, um etwa Menschenversammlungen zu erkennen und die Entwicklung von Notfallstrategien zu unterstützen. Und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (Staatsbibliothek zu Berlin) reagiert unter #sbbonlineoffen mit zahlreichen digitalen Angeboten, Such- und Recherchemöglichkeiten, um unter anderem die digitale Lehre unterstützen.

Ergänzung zum analogen Leben

„Die Krise hat den digitalen Kuratierungstechnologien die Tür weit geöffnet. Wir können Angebote entwickeln und in der Praxis testen, wieviel Digitalisierung die Gesellschaft haben möchte“, sagt Armin Berger. „Viele Begegnungen in digitalen Räumen, die sich als gute Ergänzung zum analogen Leben erweisen, werden nach der Krise weiterhin stattfinden“, meint Berger und prophezeit: „Teilnehmer von internationalen Konferenzen werden sich nicht mehr so oft in ein Flugzeug setzen und um die halbe Welt düsen.“ Wenn künftig von der mobilen Gesellschaft die Rede ist, dann wohl in dem Sinne, dass sie Corona-bewegt nach ganz neuen Wegen in das digitale Zeitalter sucht.

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