Keinen Elektroschrott verschwenden

Die Recyclingindustrie hat sich im Harz als Wirtschaftszweig etabliert. Doch sie könnte noch wesentlich mehr Elektroschrott verarbeiten, um wichtige Rohstoffe zurückzugewinnen. Ein WIR!-Bündnis entwickelt Strategien, um die Sammelquote zu erhöhen.

Wer seine ausgedienten Elektrogeräte zum Wertstoffhof bringt, gehört zu denen, die Paragraph 10 des Elektro- und Elektronikgerätegesetzes unterstützen: Seit 2019 müssen 65 Prozent der ausgedienten elektrischen und elektronischen Geräte wieder eingesammelt werden – gemessen an den Neugeräten, die in den letzten drei Jahren durchschnittlich verkauft wurden. Das ist eine große Herausforderung, selbst in der „Recyclingregion Harz“.

Eine gut funktionierende Recyclingindustrie hat sich hier etabliert, die von Investitionen in Forschung und Entwicklung profitiert – und von einer Erkenntnis: Für Zukunftsfelder wie etwa Informations- und Kommunikationstechnologien, Energie- und Umwelttechnologien oder auch Mobilität reichen die heimischen Rohstoffvorkommen nicht aus. Im Umkehrschluss bedeutet das: Wir müssen zunehmend Sekundärrohstoffe nutzen. Doch mit einer deutschlandweiten Sammelquote von derzeit etwa 45 Prozent sei die Rückführung von Wertstoffen in den Verwertungskreislauf noch zu gering, sagt Dirk Schöps vom Recycling-Cluster wirtschaftsstrategische Metalle (REWIMET).

Das Cluster und gleichgesinnte Akteure haben sich zum Ziel gesetzt, Sammelquote und Wertstoffrückgewinnung zu optimieren. Mit „WEEE-Harz“ wollen sie Lösungen für die „Innovationsregion Harz“ entwickeln. Das Bundesforschungsministerium fördert das Bündnis im Programm „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“.

Elektroschrott in Sammelcontainern

Seit 2019 muss die Rücklaufquote von ausgedienten elektrischen und elektronischen Geräten 65 Prozent betragen.

REWIMET

Antreiber der Wertstoffwende

WEEE ist das Akronym für „waste electrical and electronic equipment“. Unter dieser Marke entwickeln federführend drei Akteure ein Konzept für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft für Elektrogeräte in der Harz-Region. Die Technische Universität Clausthal und die Hochschule Nordhausen bringen sich seit Jahren mit ihren Forschungsschwerpunkten aktiv in die Realisierung der Wertstoffwende ein. Sie entwickeln Basisstrukturen für eine digitale Kreislaufwirtschaft. Beide Hochschulen haben ihre Studiengänge im Umweltbereich aufeinander abgestimmt.

REWIMET, der dritte federführende Akteur, ist ein Netzwerk von Unternehmen, wissenschaftlichen Einrichtungen und kommunalen Vertretern. Deren Ziel ist es, so viele Rohstoffe wie möglich durch Recycling in den Verwertungskreislauf zurückzuführen. Zu diesem Zweck entwickelt das Recycling-Cluster Strategien und Verfahren bis zur industriellen Umsetzung. Alle drei Partner sind seit etwa zehn Jahren in einem Netzwerk aktiv, das die Entwicklung der Recyclingregion Harz maßgeblich vorantreibt. Ein bewusst nachhaltiger Umgang mit Elektrogeräten führe auch zum längerem Gebrauch. Das zumindest wäre, so Schöps, eine positive Erklärung, warum die erwartete Rückführungsquote noch nicht erreicht ist.

Sammelstrategien für E-Schrott

Kürzlich stellte sich WEEE-Harz auf einer Online-Veranstaltung einer breiten Öffentlichkeit vor. In Gesprächen mit Expertinnen und Experten ging es zunächst um die Herausforderungen der Altgeräterücknahme für Hersteller, Händler und Verbraucher. Welche Steuerungsfaktoren haben Einfluss auf das Nutzerverhalten? Wie ist eine Imageverbesserung für den Oberbegriff Recycling zu erreichen? Wie und wo verlaufen legale und illegale Entsorgungswege? Wie kann die Altgeräterücknahme verbraucherfreundlich organisiert werden? Welche Anforderungen haben Hersteller an die Qualität von recycelten Materialien? Und: Hat die Einstellung zum Umweltschutz Einfluss auf das Entsorgungsverhalten? Wie ist die (Aus-)Bildung zum Recycling zu optimieren? Erst auf Grundlage eines fundierten Wissens zu all diesen Themen könnten zielgerichtete Strategien entwickelt werden, die auf ganz Deutschland übertragbar seien, betont Dirk Schöps.

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