HYPOS – eine Erfolgsgeschichte

Vor sieben Jahren war „Hydrogen Power Storage & Solutions East Germany“ eine Vision. Jetzt sind die Technologien zur Herstellung von Grünem Wasserstoff startbereit für ihre Anwendung im Industriemaßstab.

Schaubild Wertschöpfungskette

Die Grafik zeigt die Wertschöpfungskette für Grünen Wasserstoff.

HYPOS

„HYPOS ist ein mittlerweile deutschlandweit sichtbares und anerkanntes Netzwerk. Schon lange vor der in diesem Jahr vom Bund beschlossenen Nationalen Wasserstoffstrategie hatten Visionäre in Mitteldeutschland die Zeichen der Zeit erkannt“, betonte Stefan Kaufmann. Der Innovationsbeauftragte „Grüner Wasserstoff“ bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung war einer der Protagonisten des 6. HYPOS-Forums, das coronabedingt in diesem Jahr online stattfand.

Das mittlerweile 125 Partner starke Konsortium „HYPOS – Hydrogen Power Storage & Solutions East Germany“ gründete sich 2013 und wird noch bis zum nächsten Jahr im Rahmen des Programms „Zwanzig20 – Partnerschaft für Innovation“ vom Bundesforschungsministerium gefördert. Aber auch darüber hinaus werde HYPOS Impulsgeber sein für eine globale Wasserstoffwirtschaft, denn im Grünen Wasserstoff liege die Jahrhundertchance zur Bewältigung des Klimawandels, war die Botschaft des HYPOS-Vorstandschef Joachim Wicke. Der Siemens-Manager weiß bestens zu bewerten, dass sich mit den HYPOS-Erfolgen der H2-Zukunftsmarkt von Deutschland aus federführend gestalten ließe. Es sei jetzt die Zeit, so Wicke, die Technologieentwicklungen aus dem Labor- in den Industriemaßstab zu überführen, um an Großanlagen beispielhaft zu demonstrieren: „Wir können das.“

Die Grundlagenforschung für die wirtschaftliche Erzeugung von Grünem Wasserstoff ist getan. Das kam in verschiedenen Fachbeiträgen zum Ausdruck. Ob sich tatsächlich ein Markt dafür „hochlaufen“ ließe, sei auch davon abhängig, inwieweit die Politik verlässliche Bedingungen gestalte, war der Appell von HYPOS-Chef Wicke. Der Strom für die Elektrolyse beispielsweise müsste von der EEG-Umlage befreit werden, damit der Grüne Wasserstoff am Ende kostengünstig zu den Nutzern kommt.

Wasserstoffdorf in Bitterfeld-Wolfen

Im "Wasserstoffdorf" in Bitterfeld-Wolfen wird die Verwendung von Grünem Wasserstoff unter Realbedingungen getestet.

BMBF/Innovation & Strukturwandel

Strukturwandel mit Grünem Wasserstoff

Der deutsche Absatzmarkt für Grünen Wasserstoff fokussiert sich zunächst auf die chemische Industrie sowie auf die energieintensiven Industriebetriebe im Schwerlast-, Schiffs- und Luftverkehr. Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg gestalten mit der Entwicklung entsprechender Wertschöpfungsketten den Strukturwandel in ihren Kohle-Regionen.

„Aus dem HYPOS-Konsortium kommen da wichtige Bauteile“, bescheinigte Sachsen-Anhalts Minister für Wirtschaft und Wissenschaft Armin Willingmann. Er bekräftigte auch die Unterstützung seitens seiner Landesregierung, etwa im Projekt „GreenHydroChem Mitteldeutschland“. HYPOS-Mitglieder kooperieren in dem „Reallabor der Energiewende“, ebenso im Energiepark Bad Lauchstädt. Dort werden unterirdische Salzkavernen als Lager für Grünen Wasserstoff getestet. Zudem wird am Chemiestandort Leuna die mit über 100 Megawatt bislang weltweit größte Elektrolyse-Anlage zur Erzeugung von Grünem Wasserstoff errichtet. Ebenfalls in Leuna entstehen eine Elektrolysetest- und -versuchsplattform ELP sowie eine Skalierungsplattform. Und im traditionsreichen Chemiepark Bitterfeld-Wolfen ist seit über einem Jahr das „H2-Dorf“ im Testbetrieb, um die Verwendung von Grünem Wasserstoff unter Realbedingungen technisch, wirtschaftlich und ökologisch zu bewerten. In Sachsen entsteht die Forschungsplattform Fraunhofer Hydrogen Lab Görlitz. Industrienah und anwendungsorientiert sollen mittels innovativer H2-Technologien neue Wirtschaftszweige entstehen.

H2-Bedarf auch aus Importen decken

In Deutschland werde der Bedarf an Grünem Wasserstoff bis 2030 mit fünf Gigawatt angegeben, so Robert Schlögl, Mitglied im Nationalen Wasserstoffrat. Er schätze den realen Bedarf aber auf 500 Gigawatt. Um diese Menge zu produzieren, wäre der deutsche Markt zu klein. Der H2-Zukunftsmarkt müsse also global gedacht werden. Internationale Verbünde seien wichtig.

Screenshot der digitalen Konferenz

An der HYPOS-Podiumsdiskussion nehmen auch der BMBF-Innovationsbeauftrage für Grünen Wasserstoff, Stefan Kaufmann (unten links), teil sowie HYPOS-Vorstandschef Joachim Wicke (unten Mitte).

HYPOS

Auch in anderen Ländern wird geforscht. Das konnte Badr Ikken vom marokkanischen Institut de Recherche en Energie Solaire et Energies Nouvelles bestätigen. Sein Land sehe in internationalen Forschungsprojekten, gekoppelt an die Errichtung von Energieparks vor Ort, große Chancen, sich als Wasserstoffproduzent auf dem globalen Markt zu platzieren.

„Bis 2050 werden wir 80 Prozent unseres Wasserstoffbedarfes aus Importen decken müssen“, prognostizierte der Wasserstoffbeauftragte Stefan Kaufmann. Neben Marokko wollen weitere Länder unter anderem aus Afrika und Saudi-Arabien, aus West- und Südeuropa Grünen Wasserstoff liefern. Derzeit erarbeite die Bundesregierung eine Potenzialanalyse, die beispielsweise auch die politischen Gegebenheiten in den Ländern bewertet. „Der Grüne Wasserstoff wird unsere außenwirtschaftlichen Beziehungen verändern“, weiß auch HYPOS-Chef Joachim Wicke.

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