Gutes aus Gülle

Wie können wir organische Abfälle wie Gülle oder Klärschlamm nutzen, statt sie nur zu entsorgen? Der sächsisch-thüringische Wachstumskern „abonoCARE“ entwickelt Lösungen, die das Bündnis jetzt erstmals öffentlich präsentiert hat.

In Deutschland gibt es derzeit weit über 200 Millionen sogenannter Nutztiere – vor allem Hühner, Schweine und Rinder, nur ein kleiner Anteil sind Schafe und Ziegen. Zusammen produzieren sie jedes Jahr rund 276 Milliarden Liter Gülle. Aber auch wir Menschen erzeugen organische Abfälle: rund 10 Millionen Tonnen Klärschlamm und genauso viele Bioabfälle pro Jahr. Außerdem nutzen wir hierzulande inzwischen mehr als 9.000 Biogasanlagen zur umweltfreundlichen Strom- und Wärmeerzeugung. Dabei fallen jährlich 60 Millionen Tonnen sogenannter Gärprodukt-Frischmasse an. Das ist die Masse, die nach der Vergärung zurückbleibt.

Knappe Ressourcen

Statt all das nur zu entsorgen, wollen die Bündnispartner von „abonoCARE“ die Abfälle trennen und aufbereiten. So enthalten Klärschlamm und Gülle neben Wasser auch Nährstoffe wie Phosphor und Stickstoff, die zur Düngung von Ackerflächen sehr nützlich sind. Um die stetig wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, wird der Bedarf an Düngemitteln wie Phosphor weiter steigen. In Europa gibt es aber keine Phosphorreserven mehr. Der Rohstoff kommt vor allem aus Nordafrika und ist immer stärker mit Cadmium und Uran kontaminiert, da für den Abbau immer tiefer gegraben werden muss. Die Rückgewinnung von Phosphor ist deshalb besonders wichtig.

Vogelperspektive auf Traktor, der auf dem Feld Gülle ausbringt

276 Milliarden Liter Gülle fallen jedes Jahr in Deutschland an. Landet zu viel davon auf dem Acker, steigt der Nitratgehalt im Grundwasser und überschreitet die EU-Richtlinien.

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Kreislauf statt Entsorgung

Durch das Recyceln des Phosphors aus Klärschlamm und Gülle ließen sich 60 Prozent der importierten Rohphosphate sparen. Außerdem wäre weniger Raum für Deponien notwendig. Bereits jetzt fehlen deutschlandweit die Entsorgungsmöglichkeiten.

Blick auf eine Biogasanlage auf einem Feld stehend

Biogasanlagen erzeugen umweltfreundlich Strom und Wärme – aber auch Millionen Tonnen organischer Abfälle, die entsorgt werden müssen.

Adobe Stock/Lena Wurm

Die Wissenschaftler und Unternehmer von „abonocare“ entwickeln unter anderem Filter, die Schwermetalle direkt bei der Verbrennung von Klärschlamm abtrennen. Das Neue an dem Verfahren ist, dass die Schwermetalle zunächst aktiviert und dann im gasförmigen Zustand entfernt werden. Die recycelte Asche ist auf diese Weise nicht mehr mit Schwermetallen kontaminiert, jedoch mit Phosphor angereichert, der zu Düngemittel verarbeitet werden kann. Welche Möglichkeiten es gibt, sowohl Phosphor als auch Stickstoff zurückzugewinnen, will das Team des Wachstumskerns in den kommenden Jahren anhand eines Demonstrators zeigen. Genauso wie Systeme zur Granulierung, um die Nährstoffe dann wieder als Dünger einsetzen zu können.

Zur rechten Zeit

Wie wichtig die Ideen und Entwicklungen von abonoCARE sind, macht die neue Düngemittelverordnung deutlich, die in diesem Jahr deutschlandweit in Kraft tritt. Danach dürfen die Landwirte weniger und nur zeitlich begrenzt düngen, um die Nitratwerte im Grundwasser zu senken, die hierzulande in stark landwirtschaftlich genutzten Gebieten sehr hoch sind. So hoch, dass sie gegen die Nitratrichtlinien der Europäischen Union verstoßen. Damit weniger Gülle auf die Felder kommt, muss also mehr recycelt werden – und genau da setzt abonoCARE an.

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