Grüne Aussichten für Triebzüge

Auf der touristischen Bahnstrecke Dessau-Wörlitz soll ab 2023 ein Forschungszug mit grünem Wasserstoff fahren. Die Umrüstung des derzeit dieselbetriebenen Triebzuges ist ein Teilprojekt des TRAINS-Forschungsbündnisses.

Dieseltriebzug der auf grünen Wasserstoff umgerüstet werden soll

Ein Diesel-Triebzug der Dessauer Verkehrs- und Eisenbahngesellschaft DVE wird auf den Antrieb mit Grünem Wasserstoff umgerüstet.

Kathrain Graubaum

Dessauer Hauptbahnhof: Der Triebwagen auf Bahnsteig 1 fällt optisch auf. Bunt bebildert wirbt er für die Attraktionen im Gartenreich Dessau-Wörlitz. 2011 hatten die Triebzüge „Fürst Franz“ und „Fürstin Louise“ die nostalgischen Schmalspurbahnen abgelöst. Die Fahrt auf den 19 Kilometern zwischen Dessau und Wörlitz dauert 35 Minuten und führt durch das Biosphärenreservat „Mittelelbe“. Wer auf seinen grünen Fußabdruck achtet, macht sich allerdings Gedanken über Dieselantrieb und CO2-Emissionen hier inmitten der Unesco-geschützten Flusslandschaft. Für das Forschungsbündnis "TRAINS – Wandel zur Technologieregion: Zukunftssicherung der Region Anhalt durch nachhaltige Technologien für Schienenverkehrssysteme“ ist die Bahnstrecke Dessau-Wörlitz eine Teststrecke. Hier soll ab 2023 ein Forschungszug mit Grünem Wasserstoff fahren. Das Vorhaben wird vom Bundesforschungsministerium im Rahmen des Programms „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“ gefördert.

Umrüstung auf Grünen Wasserstoff

Arne Lazar (l) und Sascha Ziesemeier (r) im Gespräch mit Sandro Präger (m)

Arne Lazar (l) und Sascha Ziesemeier (r) vom TRAINS-Bündnis sind im Gespräch mit Zugführer Sandro Präger (m).

Kathrain Graubaum

11.05 Uhr, der Zug setzt sich in Bewegung; eine Dienstfahrt der besonderen Art für TRAINS-Bündnismanager Sascha Ziesemeier von der Hochschule Anhalt (HSA) und Projektleiter Arne Lazar vom Wissenschaftlich-Technischen Zentrum Roßlau (WTZ). Das WTZ ist führend in der Forschung und Entwicklung von Mess- und Prüftechnik, von Energiesystemen und vor allem von Motoren, die zur Verminderung der Kohlendioxid- und Schadstoffemissionen beitragen. Das Unternehmen aus Anhalt ist ein wichtiger Partner im TRAINS-Bündnis. Gerade entwickelt es gemeinsam mit der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg den Prototyp eines Motors, der für den Erdgas-Wasserstoff-Mischbetrieb geeignet ist. Mit solch einem Motor soll der Forschungstriebzug umgerüstet werden.

Die Stadtwerke Dessau als Muttergesellschaft der Dessauer Verkehrs- und Eisenbahngesellschaft DVE sind mit am Zuge, wenn es um moderne Antriebstechnologien geht. Aber warum erst 2023? Vom Dieselruß ergraute Fichten sind jetzt schon links und rechts der Schiene zu sehen. „Nach etwa 20 Jahren Einsatz auf der Schiene wird ein Dieseltriebzug ausgemustert. 2022 kann uns die DVE einen solchen Triebwagen zur Verfügung stellen. Ein Jahr werden wir zum Umrüsten brauchen“, sagt Sascha Ziesemeier und nennt weitere Bündnispartner, die mit zu Werke gehen: die Gedack Rohrsysteme GmbH, die Molinari Rail Systems GmbH, die Hörmann Vehicle Engineering GmbH sowie die techcos GmbH als Sicherheitsspezialistin. Die Hochschule Anhalt betrachtet die Beeinflussung der Umwelt durch die neue Motortechnologie. Auch die neuen Betankungs- und Wartungskonzepte werden innerhalb des TRAINS-Bündnisses entwickelt.

Digitales Infotainment auf der Zugfahrt

Ankunft in Wörlitz und 40 Minuten Aufenthalt. Triebwagenführer Sandro Präger kommt auf seine Fahrgäste zu: „Möchten Sie etwas wissen?“ Sie kommen ins Gespräch. Letztlich ist der Bahn-Angestellte begeistert von der Vorstellung, künftig einen mit Grünem Wasserstoff betriebenen Zug zu führen.

Bei der Umrüstung auf einen modernen Antrieb soll es allerdings nicht bleiben. Dass die Dessau-Wörlitzer Eisenbahnlinie hauptsächlich von Touristen genutzt wird, kann der Zugführer bestätigen. Um die Attraktivität des Angebots zu steigern, soll laut TRAINS-Vorhaben eine unterhaltsame wie gleichsam informative Fahrt geboten werden. Arne Lazar spricht vom digitalen Infotainment. Die Begriffe Information und Entertainment sind hier zusammengeführt. Dank der Virtual-Reality- und Augmented-Reality-Technologien könnten die Bahnreisenden geradewegs in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts reisen, als unter der Regentschaft von Fürst Leopold III. der Wörlitzer Park erschaffen wurde.

Entsprechende Apps zu entwickeln, ist eine der Aufgaben des TRAINS Innovation & Service Centers. „Das wird im anhaltischen Raum den Strukturwandel zur Technologieregion maßgeblich gestalten“, sagt der Bündnismanager.

Triebwagenführer Sandro Präger erhofft sich mehr Leben auch auf seiner touristischen Strecke. Da haben Sascha Ziesemeier und Arne Lazar spontan die Idee, das nächste TRAINS-Bürgerforum auf die Schiene, sprich in den Triebwagen zu verlegen.

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