Flottillenkraftwerk holt Strom aus dem Fluss

Auf der Elbe bei Magdeburg ist das weltweit erste Prototypen-Flottillenwasserkraftwerk im Testbetrieb. Es besteht aus vier mobilen und ökologischen Mikro-Kraftwerken. Deren Entwicklung ist das Ergebnis des Wachstumskerns „Fluss-Strom Plus“.

Bei Kilometer 329,29 auf der Elbestrecke ist kürzlich ein Flottillenkraftwerk vor Anker gegangen. Bezeichnenderweise verläuft dieser Elbabschnitt mit der höchsten Fließgeschwindigkeit auf der Magdeburger Stadtstrecke durch den „Wissenschaftshafen“ – waren doch die modernen umweltverträglichen Mikro-Wasserkraftanlagen selbst ein Forschungsprojekt. Der Wachstumskern „Fluss-Strom Plus“ hatte zum Ziel, nach dem Vorbild von historischen Schiffsmühlen ökologische Stromerzeuger zu entwickeln und zu bauen, um sie dann auf Flüssen mit Tiefen unter einem halben Meter einzusetzen.

Foto der Flottilie

Auf der Magdeburger Elbstrecke ist ein Flottillenwasserkraftwerk in den Testbetrieb gegangen. 

PRpetuum GmbH

Es seien weltweit die ersten schwimmenden Mikro-Wasserkraftwerke überhaupt, die sich Gewässer mit so niedriger Fließgeschwindigkeit für die Energiegewinnung nutzbar machen, sagt Bündniskoordinator Mario Spiewack vom Zentrum für Produkt-, Verfahrens- und Prozessinnovationen GmbH in Magdeburg. Das Bundesforschungsministerium hatte das Bündnis aus 19 Unternehmen und acht Forschungseinrichtungen aus Mitteldeutschland gefördert, um diese ökologische Mikro-Flusswasserkraftanlagen bis zu ihrer Marktreife zu entwickeln.

Leistung im Flottille-Verbund

Einzeln hatten die kleinen Wasserkraftanlagen ihren Praxistest schon auf dem Saale-Nebenfluss Bode bestanden. Auf dem Elbe-Strom wird jetzt erprobt, wie sich vier Anlagen im schwimmenden Verbund, also im Flottille-Cluster verhalten. „Den reinen Berechnungen und Simulationen nach“, so Mario Spiewack, „müsste die Flottille in der Summe exakt so viel Strom erzeugen wie jede Mikro-Wasserkraftanlage einzeln.“ In der Realität, so der Projektmanager, werde es wohl einige Änderungen in der Aufstellung geben, bis sich die kleinen Kraftwerke nicht mehr gegenseitig beeinflussen.

Die vier Mikro-Wasserkraftanlagen sind zunächst als Raute angeordnet und arbeiten nach unterschiedlichen Leistungskonzepten im Inselbetrieb. Je nach Fließgeschwindigkeit erzeugen sie pro Stunde zwischen vier und zwölf Kilowatt Strom, der für die Beleuchtung bei Nacht genutzt wird und für den Eigenbetrieb der Anlage verwendet oder aber gespeichert wird. Denn mittels installierter Elektronik werden Daten zur Fernüberwachung erzeugt, auf die der Betreiber Zugriff haben muss.

Grafik: Vier Mikrowasseranlagen

Anordnung von vier Mikro-Wasserkraftanlagen in einer Raute. 

Fluss-Strom Plus

Testbetrieb auf der Elbe

Etwa ein Jahr lang wird die Flottille an diesem Standort auf der Elbe im Testbetrieb sein. In dieser Zeit, so Spiewack, könnten sich Interessierte den Prototyp anschauen und erläutern lassen. Großes Interesse hätten etwa Stadtwerke und Kraftwerkbetreiber signalisiert, vorrangig zur Nutzung der Mikroanlagen auf dem Rhein, der Lahn und auf dem Regen.

Reich mit Erfahrungen aus dem Wachstumskern „Fluss-Strom Plus“ ausgestattet erschließen sich die Bündnispartner derweil schon neue Geschäftsfelder. Innerhalb des Netzwerkes „CleanRiverSolutions“ beispielsweise entwickeln sie ein Gewässerreinigungssystem, das in Verbindung mit der Mikro-Flusswasserkraftanlage funktioniert und mittels Sprühdüsen den Müll aus dem Fluss ans Ufer transportiert. In einer weiteren Anwendung, der Binnengewässer-Therapie, geht es um Technologien zur Beseitigung von Gewässerschädigungen und von Störungen natürlicher Stoffkreisläufe. „Für dieses Verfahren sollen neue Einbringungs- und Nachschlagetechniken entwickelt werden“, sagt Mario Spiewack. Er betont, dass das Fluss-Strom Plus-Bündnis seine Kompetenzen in Richtung der energieautarken Gewässerreinigung und Gewässersanierung erweitert, um sich neue Märkte im Bereich Umwelttechnik zu erschließen.

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