Emissionsfrei in die Zukunft

Schon vor über 100 Jahren kamen aus dem heutigen Sachsen-Anhalt zukunftsweisende Ideen für den Eisenbahnbau. Jetzt soll hier eine Technologieregion für wasserstoffbetriebene Schienenverkehrssysteme entstehen.

Im Jahr 1911 ging auf der Strecke zwischen Dessau und Bitterfeld die weltweit erste elektrisch betriebene Fernbahn in Betrieb. Mehr als ein Jahrhundert liegt dieser technologische Meilenstein nun zurück. Doch nun leben wir wieder in einer Zeit, die Pioniere braucht: Die Bewältigung des Klimawandels und der Umweltschutz zählen zu den großen Herausforderungen von Gegenwart und Zukunft. Die Schienenverkehrstechnik habe da die Rolle einer Schlüsseltechnologie, sagt Guido Huke. Er ist Sprecher des Bündnisses „TRAINS“. Das „WIR!“-Bündnis will die Region Anhalt durch nachhaltige Technologien für Schienenverkehrssysteme zur Technologieregion wandeln.

Wasserstoffmotor

Das WTZ in Dessau-Roßlau ist TRAINS-Partner und entwickelt einen mit Wasserstoff angetrieben Motor.

PRpetuum GmbH

In einer Zeit der CO2-Bilanzen haben es besonders die Dieselloks schwer. „Allerdings, so Huke, „ist eine Lokomotive ungefähr 30 Jahre auf der Schiene im Einsatz. Die kann nicht einfach vor ihrem Lebensende verschrottet werden.“ Seine erste Aufgabe sieht das Bündnis in der Umrüstung des Dieselbetriebs auf moderne innovative Antriebe – Grüner Wasserstoff schwebt den Experten vor. Als Ergebnis von Forschung und Entwicklung will TRAINS den emissionsfreien Zug auf die Schiene bringen. Damit bekäme die Bahntechnikbranche wieder neueste Impulse aus einer Region, in der eine über 100 Jahre gewachsene Kompetenz im Waggonbau und in der Fahrzeuginstandhaltung zuhause ist. Bis Ende der 1980er-Jahre zählte die Bahntechnik im Umfeld von Dessau, Zerbst, Köthen und Bitterfeld über 10.000 Beschäftigte. Jetzt sind es noch 2.500, die in der mittelständisch geprägten Branche einen Job haben.

Bahnbau in den Genen

„Wir in Anhalt haben über Generationen die Bahn in den Genen wie andere den Bergbau“, sagt Guido Huke. „Mit TRAINS wollen wir ein damit zusammenhängendes regionales Selbstbewusstsein zu neuem Leben erwecken.“ Das Bündnis wird im Rahmen des Programms „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“ vom Bundesforschungsministerium gefördert. TRAINS besteht aus Firmen, Instituten, Bahnbetreibern, Strukturplanern, kommunalen Akteuren, regionalen Verbänden und Politikvertretern aus dem Raum zwischen Halle, Magdeburg und Potsdam. Kürzlich hat sich ein Beirat konstituiert, der die einzelnen TRAINS-Vorhaben fachlich begleitet und Empfehlungen abgibt.

Mit dem Angebot von hochwertigen Arbeitsplätzen soll die Region an Attraktivität gewinnen und für Unternehmensgründungen und Firmenansiedlungen interessant werden. Ein „Bahntechnologisches Innovations- und Service Center“ ist Bestandteil des Konzepts. Das Zentrum soll – von der Kinderbetreuung über Schule, Ausbildung und Studum bis hin zur Umschulung – die Identifikation mit der Branche fördern, Fachkräfte in die Region holen und sie hier halten. Damit soll das Innovations- und Service Center zum Bindeglied zwischen Forschung, Wirtschaft, kommunaler Verwaltung und anderen regionalen Akteuren werden.

Forschungspartner für Bahnbetreiber

„Energiewende, Künstliche Intelligenz und Industrie 4.0 sind die Schlagwörter auch für unsere Vorhaben“, sagt Bündnis-Manager Sascha Ziesemeier. Digitale Innovationen etwa würden die Instandhaltung und vorausschauende Wartung von Triebfahrzeugen revolutionieren sowie die Zuverlässigkeit und Lebensdauer der Systeme erhöhen. Bei der Herstellung von Bauteilen werde der 3D-Druck eine bedeutende Rolle spielen. „Ein Großteil unserer Zielgruppe sind die kleineren regionalen Bahnbetreiber, die sich keine eigene Forschung und Entwicklung leisten können, aber einen hohen Bedarf daran haben, wenn sie mit modernen und effizienten Zügen konkurrieren wollen“, sagt Ziesemeier. Eine der ersten Aufgaben sei deshalb eine Analyse, welche (Kurz-)Strecken für den Einsatz von wasserstoffbetriebenen Triebwagen geeignet sind. Eine steht schon fest: Der Demonstrator des „Grünen Zuges“ soll publikumswirksam auf der Strecke zwischen der Bauhaus-Stadt Dessau und dem UNESCO-Welterbe Wörlitzer Gartenreich unterwegs sein.

Weitere Informationen