Eine Chance für den grünen Wasserstoff

Ob „grüner" Wasserstoff zum Gelingen der Energiewende beiträgt, hängt auch davon ab, wie er von der Bevölkerung als Energieträger akzeptiert wird. Das Projekt „H2-Chancendialog“ identifiziert Nutzerbedürfnisse und entwickelt Zukunftsszenarien.

„Wasserstoff ist der Energieträger der Zukunft“ – davon sind immer mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler überzeugt, und mehr und mehr sind es auch Politik und Wirtschaft. Im Zeichen der Energiewende wird insbesondere in der Gewinnung von „grünem“ Wasserstoff aus regenerativen Energien eine richtungsweisende Schlüsseltechnologie gesehen. Doch wie steht es um dessen Akzeptanz in der Bevölkerung? Was weiß die Zivilgesellschaft über diesen Energieträger aus der Kraft von Wind und Sonne?

Letztlich kommt es auf die Einstellung der Bevölkerung an, ob sich grüner Wasserstoff tatsächlich etabliert. Denn Innovationen sind nur dann erfolgreich, wenn sie Bedarfe von Nutzerinnen und Nutzern erfüllen. Was ist zu tun, damit das Gelingen der Energiewende mittels Wasserstoff von der Mehrheit mitgetragen wird?

„Um der Gesellschaft den Zugang zu diesen Themen auf anschaulichen Wegen zu eröffnen, entwickeln wir Zukunftsszenarien sowie die dazu passenden Transformationsprozesse und Innovationsstrategien“, sagt Johann Jakob Häußermann vom Center for Responsible Research and Innovation CeRRI des Fraunhofer Instituts für Arbeitswissenschaft und Organisation IAO in Berlin. Längst ist auch der Wasserstoff in den Fokus der Wissenschaftler am IAO gerückt – nicht zuletzt durch den Kontakt zum HYPOS-Netzwerk. HYPOS (Hydrogen Power Storage & Solutions East Germany) wird im Rahmen des Programms „Zwanzig20 – Partnerschaft für Innovation“ vom Bundesforschungsministerium gefördert. Das Konsortium legt den Fokus auf „grünen“ Wasserstoff aus erneuerbarem Strom. HYPOS entwickelt die komplette Wertschöpfungskette, um ihn zu speichern und zu transportieren.

Potenziale für die Akzeptanz erkennen

Workshop-Teilnehmer

Akteure aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft tauschen sich über Nutzungsmöglichkeiten von Wasserstoff aus.

H2-Chancendialog

„H2-Chancendialog“ heißt das vom CeRRI initiierte Projekt. „Wir wollen herausfinden, wo in der Gesellschaft die Potenziale dafür zu finden sind, dass Wasserstoff-Technologien auf breite Akzeptanz stoßen“, sagt Johann Jakob Häußermann. Wenn er von „wir“ spricht, meint er ein interdisziplinäres Team von Sozial- und Politikwissenschaftlern, Philosophen und Ökonomen sowie Interaktions- und Prozessdesignern. Wir betrachten die Gesellschaft von einer anderen Seite als die klassische Technologieentwicklung. Wenn gesellschaftliche Perspektiven an den Anfang von Innovationsprozessen gestellt werden, ergeben sich daraus neue Impulse“, betont Häußermann. Für das HYPOS-Teilprojekt „H2-Chancendialog“ galt, im besagten Dialog mit der vielschichtigen Gesellschaft herauszufinden, welche Rahmenbedingungen gegeben sein müssen, damit Wasserstoff eine Chance hat. Das könne in den einzelnen Regionen ganz unterschiedlich sein, sagt Projektleiter Häußermann. Sein Team führte Interviews mit Kommunalpolitikern, Vertretern aus der Wirtschaft, mit Vereinen und Bürgern. Welche Assoziationen verbinden die Menschen mit Wasserstoff? Wie nehmen sie den gesellschaftspolitischen Kontext wahr, in dem die Innovationen erbracht werden? Fühlen sie sich zum Thema Energiewende gut, ehrlich und transparent informiert

Nutzungsszenarien identifizieren

„Befragungsergebnisse zeigen zudem, dass mögliche Gefahren kein Ausschlusskriterium für den Wasserstoff sind. Das Vertrauen in die Ingenieurkunst und in die deutschen Sicherheitsstandards ist hoch“, sagt Häußermann und ergänzt, dass im Projekt „H2-Chancendialog“ ein Kartenspiel entwickelt wurde, das den Dialog zwischen Akteuren aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft ermöglicht. In Workshops wurden etwa der öffentliche Nahverkehr, die dezentrale Energieversorgung oder Sharingsysteme für H2-Tanks als Themen für die Entwicklung von Nutzungsszenarien identifiziert.

Entwicklung von Nutzungsszenarien

Auf einem H2-Chancendialog-Workshop in Grimma wurden Nutzungsszenarien identifiziert.

H2-Chancendialog

Jetzt sollen die Ergebnisse der Interviews, Workshops und einer überregionalen Befragung in Handlungsempfehlungen für HYPOS-Mitglieder und in die Entwicklung eines Leitfadens einfließen, um unterschiedlichste Akteure an den Innovationsprozessen zu beteiligen.

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