Die Daten hinter den Fernsehbildern

Was Metadaten für einen (Mehr-)Wert bieten, sei lange Zeit von der Filmbranche unterschätzt worden, sagt "dwerft2"-Koordinator Peter Effenberg. Auf der MediaTech Hub Conference in Babelsberg diskutierte er mit Experten über innovative Entwicklungen.

Durch Potsdam-Babelsberg weht ein spürbarer Wind der Veränderung. Wo vor über 100 Jahren das erste Großatelier-Filmstudio der Welt gebaut wurde und wo seitdem unentwegt Bewegtbilder produziert werden, haben nun die modernen Medientechnologien Einzug gehalten. Die Traditionsbranche erlebt ihre nächste Revolution – die digitale. Filmschaffende und IT-Experten gehen aufeinander zu. Anfängliche Berührungsängste sind längst überwunden, was kürzlich auf der „MediaTech Hub Conference“ deutlich wurde. Deutschlands größte Konferenz für digitale Medientechnologien in Entertainment und Industrie mit 600 Vertretern aus Film und Unterhaltung, Wirtschaft sowie Bildung und Forschung, stieß auf großes internationales Interesse.

Der Veranstalter, die MediaTech Hub Potsdam, ist ein Netzwerk, in das sich auch der Wachstumskern „dwerft2 – linked metadata for media“ einbindet. Die „digitale Werft“ ist ein regionales Forschungsbündnis für innovative Medientechnologien und wird vom Bundesforschungsministerium gefördert. Das Ziel ist die verlustfreie Speicherung und semantische Verbindung der Metadaten in einer leistungsfähigen Datenbank. „Metadaten sind der Treibstoff für den Erfolg einer Film- oder TV-Produktion. Im Verlauf der einzelnen Arbeitsschritte gehen allerdings noch zu viele Informationen verloren“, sagt Peter Effenberg. Sein Unternehmen, die transfermedia production services GmbH, agiert als Vermittler zwischen der IT- und der Medienbranche – und ist Koordinator der digitalen Werft.

Was alles möglich ist

„Im Verlauf einer Session mit dem Institut für Rundfunktechnik, dem Schweizer Fernsehen und mit Sportcast, einer Tochter des Deutschen Fußballbundes, konnten wir am Beispiel des Fußballsports veranschaulichen, was heute und morgen im Umgang mit Metadaten möglich ist“, sagt Peter Effenberg. Er nennt Beispiele für Daten hinter den Fernsehbildern. Da würden zunächst die technischen Metadaten entstehen. Diese beinhalten unter anderem Informationen über die Kamerasysteme: Wo sind sie platziert, wie und wohin fahren oder fliegen sie? Im Zusammenspiel der Kamerabilder und der akustischen Daten aus den Fankurven können Softwareprogramme entwickelt werden, mit denen sich die Mikrofone automatisch regeln lassen und zeitgleich dort aufgezogen werden, wo gerade auch optisch etwas passiert, erklärt Effenberg.

Inhaltliche Informationen zum Spiel, etwa zur Zahl der geschossenen oder verpassten Tore eines jeden Spielers, wie viele Kilometer er im Verlauf des Spieles läuft oder wie oft er sich im Zweikampf befindet, könnten rasend schnell zu Grafiken aufbereitet werden.

Bei einer Session ging es um Fußballsport

In einer Session ging es auf der „MediaTech Hub Conference“ um die Verwertung von Metadaten im Fußballsport.

Beate Wätzel / MediaTech Hub Conference

Neue Geschäftsfelder

Metadaten, so Peter Effenberg, seien die Bindeglieder zwischen Produktion, Vertrieb, Archiv und Publikum. Er betont, dass sich mit der vom „dwerft2“-Bündnis entwickelten Linked Media Data Cloud (LMDC) neue Geschäftsfelder bei der Auswertung und Vermarktung von Film- und Fernsehproduktionen eröffnen ließen. Mediatheken, Streaming-Anbieter, TV-Programm-Guides sowie Archive bräuchten solche hochwertig aufbereiteten Daten, damit ihre Filme in dem großen Angebot gefunden würden. Zudem könnten die Produktionen durch Informationen mit Mehrwert attraktiver werden, wie etwa durch die Einblendung der erwähnten Grafik während der Fußball-Übertragung. Und: Auch die Industrie und Forschung transportierten inzwischen ihre Botschaften über Filme. Hier böten sich weitere Anwendungsmöglichkeiten für die Linked Media Data Cloud.