Brandbekämpfung im 21. Jahrhundert

Traditionell kommt aus dem Land Brandenburg Feuerwehrtechnik, die deutschlandweit in den Kommunen im Einsatz ist. Jetzt soll südlich von Berlin eine Kompetenzregion für die „Feuerwehr der Zukunft“ entstehen.

Feuerwehr beim Löscheinsatz

Drohnen oder Roboter aus Brandenburg sollen auch in Zukunft vermehrt Einsatzkräfte bei der Brandbekämpfung unterstützen – wie hier bei einem Einsatz in Dortmund.

BMBF

Charakteristisch für das Brandenburgische Land sind die ausgedehnten Kiefernwälder und die leichten Sandböden – leider auch der geringe Niederschlag. Brandenburg ist bundesweit das Land mit der höchsten Waldbrandgefahr. „Die Not macht erfinderisch“, sagt der Volksmund. So wundert es nicht, dass hier – seit dem 19. Jahrhundert schon – innovative Löschgeräte gebaut werden. Hier ist große Kompetenz in der Feuerwehrtechnik, Brandbekämpfung und Brandverhütung zu Hause. Rund 20 Partner, darunter Unternehmen, Serviceeinrichtungen, Feuerwehren, Rettungsdiensten, Kommunen und wissenschaftlichen Einrichtungen, haben sich zu einer Initiative zusammengeschlossen. Die Idee: Kompetenzen bündeln, um daraus einen wirtschaftlichen Leuchtturm für die „B101-Region“ zwischen Ludwigsfelde und Luckenwalde im Landkreis Teltow-Fläming zu entwickeln. Benannt ist die B101-Region nach der wichtigsten Verkehrsachse von Nord nach Süd, die häufig gesperrt ist in Folge von Waldbränden. Auch das Bundesforschungsministerium sieht hier Potenzial für eine Feuerwehr-Kompetenzregion und fördert die Entwicklung des Bündnisses „Feuerwehr der Zukunft – B101-Region – Ludwigsfelde“ im Programm „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“.

Einsatz von Löschdrohnen

Löschroboter

Wo Menschen nicht mehr weiter kommen, sollen Löschroboter wie dieser Abhilfe schaffen.

FKIE

„Feuerlöschtechnik und Einsatzkräfte sehen sich zunehmend vor ganz anderen Aufgaben als noch vor einigen Jahren“, sagt Wilfried Thielicke, Leiter der Wirtschaftsförderung der Stadt Ludwigsfelde. Im Norden der Region beispielsweise würden die Einsatzkräfte oft zur Autobahn gerufen. Hier seien das Löschen von Autos mit alternativen Antrieben, bzw. auch das Befreien von Insassen etwa aus E-Autos neue Herausforderungen. Wenn im Süden der Region große Waldflächen mit ehemaligen Truppenübungsplätzen brennen, erfordere das innovative Löschmethoden wie etwa den Einsatz von Drohnen in Gebieten, wo kein Fahrzeug hingelangt. Auch brennende Photovoltaik-Anlagen und Windkraftanalgen würden besondere Herangehensweisen verlangen.

Brandbekämpfung im 21. Jahrhundert – wo konkret die Probleme und Bedürfnisse liegen, wird derzeit in vielen Gesprächen ermittelt. So bringt zum Beispiel der Klimawandel auch Wassermangel mit sich. Die demografische Entwicklung verlangt nach moderner Feuerlöschtechnik, die den Personalmangel ausgleicht. Methoden und Mittel zur Dekontamination von Schutzbekleidung werden für die Einsatzkräfte wichtig, wenn neuartige Materialien brennen. Nicht nur Löschrobotersondern auch die digitale Technik in Rettungs- und Feuerwehrfahrzeugen sowie die Kommunikation an den Einsatzorten erfordern 5G-gestützte Übertragungswege.

Traditionsstandort für Feuerwehrtechnik

Zum Kernteam des Projektes „Feuerwehr der Zukunft“ gehören u.a. die Feuerwehren von Ludwigsfelde und Luckenwalde sowie die Rosenbauer Deutschland GmbH. Der weltweit führende Hersteller für Feuerwehrtechnik entwickelt und baut in Luckenwalde sämtliche Feuerwehrfahrzeuge, die deutschlandweit in den Kommunen im Einsatz sind sowie Bauteile für das Flughafenlöschfahrzeug „Panther“. Ebenfalls weltweiter Markt- und Technologieführer ist die Schmitz One Seven GmbH in Luckenwalde auf dem Gebiet der Druckluftschaum-Löschtechnologie. „Darüber hinaus waren wir selbst überrascht, wie viele Zulieferer, Händler und Anwender auf dem Gebiet der Brandbekämpfung und Brandverhütung hier in der Region ansässig sind“, sagt Wilfried Thielicke und dass regelmäßige Innovations-Workshops installiert werden sollen, damit sich die Akteure kennenlernen und zu bestimmten Themen austauschen können. Thielicke unterstreicht die Verknüpfung mit wissenschaftlicher Expertise; beispielsweise mit der Technischen Hochschule Wildau, was erweiterte Dateninformationssysteme betrifft, oder mit der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, die den Studiengang „Sicherheit und Gefahrenabwehr“ anbietet. Ziel des WIR!-Bündnisses ist der Aufbau von Testfeldern, um die neuen Techniken und Methoden zu entwickeln und fortlaufend zu prüfen.