Biomasse geht neue Wege

In der Landwirtschaft und Viehhaltung fallen unzählige sogenannte biogene Reststoffe an. Was wie Bioabfall aussieht, wird für die Bioökonomie immer interessanter. Das WIR!-Bündnis „biogeniV“ will die Stoffe innovativ verwerten.

Frau mit einer Zuckerrübe in der Hand.

Die Zuckerrübe als Grundlage für innovative Lösungen in der Verwertung von Biomasse.

DiedovStock

Unter Einsatz von Wind- und Sonnenenergie soll die Biomasse mit neu entwickelten Verfahren zu grünen Kraft- und Wertstoffen verarbeitet werden. Großer Treiber des WIR!-Bündnisses „Verwertung biogener Reststoffe im östlichen Mecklenburg-Vorpommern“, kurz biogeniV, ist die Stadt Anklam in Vorpommern. Die kleine Hansestadt ist mit ihren Unternehmen ein Zentrum der Bioökonomie. Unterstützt wird das Bündnis vom Bundesforschungsministerium als Teil des Förderprogramms „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“. Juliane Brust-Möbius, Klimamanagerin der Stadt und Koordinatorin des Bündnisses, will die Stärken dieser Region nutzen. So ist ein starker Partner aus der Wirtschaft die Anklamer Zuckerfabrik, die von der niederländischen Firma Cosun Beet Company betrieben wird. In der Firma steht der maximale Nutzen aus der Zuckerrübe im Mittelpunkt des Handelns. „Wir wollen neue Anwendungen für Lebensmittel, Futtermittel, biobasierte Produkte sowie grüne Energie und alles, was mit einer Kreislaufwirtschaft verbunden ist, auf Basis der Zuckerrübe produzieren“, sagt Mathias Sauer, Geschäftsführer der Anklamer Produktionsstätte.

Gemeinsam mit Partnern groß denken

Bisher haben sich rund 25 Partner zusammengefunden, die erstmals zu einem Auftakttreffen online zusammenkamen. Es bot die Möglichkeit, das Innovationspotential und Ideen zur stofflichen und chemischen Verwertung von Biomasse zu entwickeln. 50 Teilnehmer fanden sich digital zusammen. Dabei wurden unter anderem Fragen zu den Erwartungen der Kernpartner gestellt, prägende Einflussfaktoren der Region identifiziert, Übergangslösungen gesucht und geschaut, was dem Bündnis noch fehlen könnte.

Der dritte strategische Partner im Bund ist das Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie, INP Greifswald, mit seinem wissenschaftlichen Know-how zur Verfahrenstechnik. Ronny Brandenburg, zuständig für plasmachemische Prozesse am INP beschreibt die Ansätze in der Forschung und Entwicklung. Das sind thermochemische, physikalische oder biochemische Verfahren, die die biogenen Reststoffe nutzen können, um auch grünen Kraftstoff zu erzeugen. Unter der Nutzung erneuerbarer Energien und der Hinzugabe von Wasserstoff könnten aus dem biogenen CO2 auch mithilfe von Syntheseprozessen grüne Kraftstoffe erzeugt werden. Brandenburg spricht von drei Innovationsfeldern: Innovative Verfahren zur Erzeugung von biogenen Kraftstoffen, zur Nutzung von grünen Kraftstoffen und deren Bedarf, sowie die Verwertung von problematischen biogenen Reststoffen.

Grüne Region Östliches Mecklenburg-Vorpommern

Was zeichnet die Region noch aus für dieses Vorhaben? Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern ist bundesweit Spitzenreiter in der Erzeugung erneuerbarer Energien. Es gibt ein großes Angebot an Strom aus den Offshore-Windanlagen und viele Biogasanlagen. „Durch Landwirtschaft, Viehhaltung und Ackerbau haben wir ein hohes Aufkommen an biogenen Reststoffen und dem gegenüber stehen eine wenig energieintensive Industrie und eine dünne Besiedelung“, so Brandenburg. Da die Region mehr Energie produziert als sie verbrauchen kann, soll sie zu einem Energieexporteur werden, was Betriebe und Arbeitsplätze schafft. So verfolgt das Bündnis auch das Ziel, wie man mit verschiedenen Technologien, Stromüberschüsse aus Windenergie in Zeiten eines Überangebotes speichern kann.

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