Auf dem Weg zur Nummer eins

Mit einer nationalen Strategie will die Bundesregierung Deutschland zur führenden Wasserstoffnation machen. Vom „HYPOS“-Bündnis in Mitteldeutschland kommen starke Impulse für Grünen Wasserstoff aus erneuerbaren Energien.

HYPOS-Schild auf Tisch

Rund 200 Interessierte besuchen das 5. HYPOS-Forum in Dresden.

PRpetuum GmbH

Man habe den Eindruck, das Jahr 2019 sei das Jahr des Wasserstoffs, sind sich die HYPOS-Akteure einig. Ihr mittlerweile fünftes Forum fand Anfang November in Dresden statt. Doch richtete sich die Aufmerksamkeit auch auf Berlin, wo die Bundesregierung zeitgleich eine Wasserstoffkonferenz veranstaltete. „Wir wollen, dass Deutschland bei der Entwicklung von Wasserstofftechnologien die Nummer eins in der Welt wird“, äußerte sich später Wirtschaftsminister Peter Altmaier in den Medien.

Aus der Region Mitteldeutschland kommen da schon sehr ausgereifte zukunftsweisende Impulse. "HYPOS – Hydrogen Power Storage & Solutions East Germany" wird im Rahmen des Programms „Zwanzig20 – Partnerschaft für Innovation“ vom Bundesforschungsministerium gefördert. Das Projekt hat das Ziel, in großem Umfang aus erneuerbarem Strom den speicherbaren Grünen Wasserstoff herzustellen. „Wir sind nicht nur die Erfinder; wir entwickeln hier vor Ort auch die Technologien, um hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen“, sagt Joachim Wicke, Vorstandsvorsitzender des HYPOS e. V. Nicht von ungefähr hatte das Bündnis in die Hightech-Metropole Dresden eingeladen, und 200 Interessierte waren gekommen; darunter Noé van Hulst, der Wasserstoffgesandte des Ministeriums für Wirtschaft und Klimapolitik der Niederlande.

Wasserstoff im internationalen Energiemix

Van Hulst nahm Bezug auf die internationale Energieagentur, die in einer Studie zum ersten Mal die Rolle des Wasserstoffs im internationalen Energiemix analysiert hat – „... und zu dem Ergebnis kommt, dass Wasserstoff ein bisher fehlendes aber wesentliches Binderglied innerhalb der Energiewende ist", so van Hulst. "Zu den Herausforderungen allerdings gehören da zunächst die Kosten.“

Wasserstoffbetriebener Gabelstapler

Ein Gabelstapler, der mit Wasserstoff angetrieben wird.

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Die neuen Technologien müssen sich wirtschaftlich tragen und sich exportieren lassen – das ist auch ein Grundsatz von HYPOS. „Mitteldeutschland mit seinem Chemiedreieck Halle-Merseburg-Bitterfeld und der Jahrhunderte währenden Braunkohleförderung ist eine Energieregion mit viel Erfahrung, Fachkompetenz und super Rahmenbedingungen“, bewertet Thorsten Herbert von der NOW GmbH den Standort. NOW – die Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie – koordiniert für verschiedene Bundesressorts Förderprogramme im Bereich nachhaltiger Mobilität und bestimmt die Ausrichtung der Forschung in den entsprechenden Bereichen mit. Im Hinblick auf die bis Ende des Jahres geplante nationale Wasserstoffstrategie der Bundesregierung sprach Herbert von staatlich forcierten Bedingungen, unter denen der Wasserstoff seine Potenziale für die Industrie, für die Energie- und Klimaziele entfalten könne. Die Akteure selbst müssten diesen Rahmen ausfüllen. HYPOS-Vereinsvorsitzender Joachim Wicke hält die entsprechenden Rahmenbedingungen für eine grenzüberschreitende Wasserstofflogistik für wichtig: „Viele Länder auf der Welt mit hohem Aufkommen an Sonne und Wind könnten den Grünen Wasserstoff preiswert erzeugen. Wir müssen mit unseren Technologien in diese Regionen.“

Erprobung der Technologien

War im HYPOS-Forum im vergangenen Jahr ein Reallabor zur Erforschung des Wasserstoffs als Energieträger der Zukunft noch Vision, so bringen inzwischen zwei Reallabore basierend auf HYPOS-Forschungen die Energiewende voran. „GreenHydroChem“ in Leuna beschäftigt sich mit der Elektrolyse von Wasserstoff. Und in einer Kaverne des „Energiepark Bad Lauchstädt“ wird die Speicherung des dort von Windrädern erzeugten Stromes erprobt.

Die Kunden für den Grünen Wasserstoff sieht das HYPOS-Bündnis allen voran in der Chemie und in energieintensiven Industriebetrieben, im Schwerlast-, Schiffs- und Luftverkehr wie auch in Blockheizkraftwerk-Systemen für Wohnhäuser oder -siedlungen.

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