Antikörper für zuverlässige Corona-Tests

Die neuen Corona-Diagnosetests werden immer zuverlässiger. Bei deren Entwicklung kommen auch Antikörper der Forschungsgruppe „Artifizielle Immunreaktion“ zum Einsatz. Sie haben eine hohe Qualität und lassen sich schnell herstellen.

„Für uns Wissenschaftler ist dies jetzt eine hochspannende Zeit“, sagt Katja Hanack. Seit fünf Jahren ist sie Professorin für „Immuntechnologie“ am Institut für Biochemie und Biologie der Universität Potsdam. Mit ihrer vom Bundesforschungsministerium geförderten Forschungsgruppe „Artifizielle Immunreaktionen“ hat sie das Gebiet der Antikörper-Technologien soweit vorangebracht, dass es mittlerweile ein etablierter Forschungsbereich am Wissenschaftsstandort ist. Im Zuge der Corona-Pandemie erweist sich diese fachliche Expertise als großer Vorteil. Im Auftrag der Uni Potsdam entwickelt die Forschungsgruppe um Katja Hanack unter Laborbedingungen humane Antikörper, die denen gleichen, die bei einer Covid 19-Erkrankung im menschlichen Organismus von den B-Lymphozyten produziert werden. „Diese Antikörper“, so Katja Hanack, „könnten in der Therapie zum Einsatz kommen.“

Diagnostik, Therapie, Forschung

Dank jahrelanger Förderung durch das Bundesforschungsministerium können die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Katja Hanack nicht nur humane, sondern auch Antikörper von Kamelen und Mäusen im Reagenzglas herstellen. Auf das Coronavirus SARS-CoV-2 bezogen entscheide sich nach der Art der Anwendung, welcher Antikörper am besten geeignet ist.

Katja Hanack und ihr Kollege im Labor

Katja Hanack und ihr Forschungsteam, hier mit Danil Poliluev, stellen humane und camelide Antikörper hoher Qualität im Reagenzglas her.

PRpetuum GmbH

Die Bandbreite reiche von Schnelltests für Blutproben zur COVID-19-Diagnose bis hin zum Nachweis des Virus im Gewebe. „Untersuchungen des Gewebes im Rachen und in der Lunge sind nötig, um zu klären, unter welchen Bedingungen das Virus tiefer eindringt und unter welchen nicht“, sagt Katja Hanack. Ihre Antikörper kommen nicht nur in Diagnostik und Therapie, sondern auch auf dem weiten Feld der Forschung zum Einsatz.

Hohe Qualität, niedrige Kosten

Der Markt für SARS-CoV-2-Antikörper entwickelt sich gerade zu einem heiß umkämpften. Wer wird sich platzieren können? „Am Ende entscheiden Qualität und Schnelligkeit in der Herstellung“, sagt die Wissenschaftlerin optimistisch. Ihr Team hat das bislang weltweit einzigartige Antikörper-Screeningsystem SELMATM entwickelt. Es kann fünfzigmal mehr spezifische Antikörper-produzierende Zellen identifizieren und ist viermal schneller als die derzeitigen Standard-Verfahren. Mit ihrem 2014 gegründeten Biotech-Unternehmen new/era/mabs bringt Katja Hanack dieses Screeningsystem auf den Markt. Die Ausgründung aus dem Klinikum Berlin-Buch hat dort im „BiotechPark“ in kurzer Zeit ein Labor errichtet, um die effektivsten Methoden dafür zu erforschen, ein kostengünstiges Testkit auf den Markt zu bringen.

Die Wimedko GmbH hat jetzt new/era/mabs als erster Firma einen Auftrag für die Generierung SARS-CoV-2-spezifischer Antikörper erteilt. „Wir entwickeln Antikörper, die zielgerichtet die spezifischen Oberflächenproteine von SARS-CoV-2 erkennen und nicht die von SARS-CoV-1“, erklärt Wissenschaftlerin Hanack. In den Tests am Anfang der Pandemie hätten die Antikörper noch nicht so gut unterscheiden können zwischen den Corona-Viren von 2003 und 2019. Katja Hanack sieht darin den Qualitätsvorteil ihrer Antikörper für Diagnosetests von hoher Zuverlässigkeit.