Quo vadis „FunGene“?

Die Entschlüsselung der menschlichen Genomsequenz 2001 war der Startschuss der mikrobiellen Proteomforschung. Auf dem Abschlussseminar des „Zentrums für Innovationskompetenz“ FunGene zieht der Mikrobiologe und Initiator Michael Hecker Bilanz.  

2004 begann mit der Gründung des ZIK FunGene eines der nachhaltigsten Projekte der Universität Greifswald. FunGene hat sich heute zu einem Zentrum entwickelt, das für die internationale Sichtbarkeit der Universität Greifswald von entscheidender Bedeutung ist.

„Die fetten Jahre der funktionellen Genomforschung“ sollen damit nicht vorbei sein, betont Michael Hecker rückblickend. „Wir hatten dank dieser Mittel die Chance hier in Greifswald von Anfang an entscheidend und mehr und mehr sichtbar dabei zu sein. Entstanden ist ein Zentrum, das in Europa seinesgleichen sucht.“ Dank der neu aufgebauten Infrastruktur konnte die Universität eine Reihe weiterer, hochrangiger Folgeprojekte einwerben, wie den Ausbau der Proteomplattform im BMBF-Verbund GenoMik oder den Forschungsbau Center of Functional Genomics of Microbes, kurz CFGM. Als „ein Symbol für Kontinuität und Fortschritt“ bezeichnet Ministerialrat Hans-Peter Hiepe den Neubau, der 2017 bezogen werden kann.

Wichtige Bausteine des Lebens

Die Proteomik ist heute aus dem Gebiet der Lebenswissenschaften nicht mehr wegzudenken. Mit ihrer Hilfe können alle wichtigen Proteine eines lebenden Organismus, das Proteom und damit die wichtigsten Bausteine des Lebens  erfasst und analysiert werden. Im Fokus der Wissenschaftler stehen Krankheiten und die ihnen zugrunde liegenden Prozesse, die nun genau bestimmt werden können.

In der Nachwuchsgruppe „Angewandte Proteomik“ unter der Leitung von Frank Schmidt dreht sich fast alles um das Bakterium Staphylococcus aureus. Es kann lokale oder auch systemische, lebensbedrohliche Infektionen verursachen. Da das Staphylococcus aureus häufig Resistenzen selbst gegen Reserveantibiotika entwickelt, arbeitet das ZIK FunGene an einem besseren Verständnis der Pathophysiologie des Bakteriums sowie der Infektionsprozesse, um neue Behandlungsansätze entwickeln zu können.

Nachwuchsgruppenleiter Falko Hochgräfe und sein Team befassen sich in der Gruppe „Pathoproteomics“ mit der Wirtseite. Das Zusammentreffen des Erregers mit seinem Wirt beziehungsweise mit Wirtszellen löst Signalkaskaden aus, an deren Ende im günstigsten Fall eine Abwehrreaktion des Wirts steht, die die Infektion durch den Erreger beenden kann. In vielen Fällen haben aber die Erreger im Laufe der Evolution auch Mechanismen entwickelt, um der Abwehr des Wirts zu entgehen.

Das Bakterium Staphylococcus aureus infiziert humane Wirtszellen. (Foto: Kristin Surmann)
Das Bakterium Staphylococcus aureus infiziert humane Wirtszellen.
Foto: Kristin Surmann

 

Facettenreiche Genomforschung

2013 schlossen sich die Standorte Greifswald, Göttingen, Braunschweig und Hannover zum Norddeutschen Zentrum für Mikrobielle Genomforschung zusammen. Das Zentrum bietet Hecker zufolge alle Facetten der Genomforschung an und könnte den Bedarf für die gesamte deutsche Mikrobiologie an den "-omik"-Technologien abdecken. Hier sieht Hecker eine große Chance für ein gesamtdeutsches Verbundprojekt. Er plädiert für ein gefördertes Netzwerk von zehn Zentren der "-omik"-Technologien, die über alle Gebiete und Techniken verfügen.

Vorerst sollen die Standorte der mikrobiellen Genomforschung, die zum Norddeutschen Zentrum gehören, und deren Partner die nächsten fünf Jahre über eine Dreiländerfinanzierung gesichert werden.

Weitere Informationen zum Zentrum für Innovationskompetenz FunGene finden Sie hier.