Informationen mit einer neuen Qualität

Als „digitale Metropole“ bezeichnet sich unsere Hauptstadt. Das neue Forschungsvorhaben „Digitale Kuratierungstechnologien“ (DKT) ist wie maßgeschneidert für diesen Standort. Kürzlich präsentierte es sich der Berliner Forschungs- und IT-Szene.  

Die digitalen Kuratierungstechnologien sollen unter anderem in Museen und Bibliotheken zum Einsatz kommen.(Foto: BMBF/Unternehmen Region/Thilo Schoch)
 
Die digitalen Kuratierungstechnologien sollen unter anderem in Museen und Bibliotheken zum Einsatz kommen.
Foto: BMBF/Unternehmen Region/Thilo Schoch  
„Willkommen zum Treffen der Visionäre!“, hat der Veranstalter groß an die Stirnwand des Senatssaals in der Humboldt-Uni projiziert. Berlin ist die Hauptstadt der Start-ups in der Informations- und Kommunikationsbranche. Eine Generation ist gerade dabei, die digitale Welt neu zu erfinden. In ihrem Fokus liegen semantische Technologien für den intelligenten, von Rechnern unterstützten Umgang mit Texten und Informationen im Web.
 

Seit 13 Jahren organisiert der Verein Xinnovations e.V. Veranstaltungen zu spannenden Fragen der Zeit. Der Verein ist vor 14 Jahren aus einem der ersten vom Bundesforschungsministerium geförderten Wachstumskerne hervorgegangen. Auf seiner diesjährigen Fachtagung in der Humboldt-Universität Berlin stellte sich eine ganz junge Wachstumskern-Potenzial-Initiative vor: Das Forschungsprojekt DKT wird seit 1. September 2015 vom Bundesforschungsministerium finanziert.

Digitale Technologien mit Intelligenz

Projektleiter ist Georg Rehm vom „Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz“ (DFKI) in Berlin. Um intelligente Technologien geht es ihm und seinen vier Partnern aus der Berliner Informations- und Kommunikationsbranche. Gemeinsam sind sie an einer Plattform für digitale Kuratierungstechnologien interessiert. Die mittelständischen Unternehmen haben ihre Kunden unter anderem in der Medienbranche, in Archiven, Bibliotheken und Museen. „Dort muss man immer mehr und immer größere Daten in immer kürzerer Zeit über verschiedene Sprachräume hinweg auswählen, übersetzen, einordnen, erklären, anreichern, kombinieren, visualisieren, zusammenfassen, internationalisieren und zu einer Information mit neuer Qualität verarbeiten“, sagt Georg Rehm. Die DKT-Forschungsgruppe will den Menschen die Arbeit erleichtern und erforscht Sprach- und Wissenstechnologien für ein automatisches, intelligentes Kuratieren.

Eine erste, sehr stark abstrahierte Version der Plattform für digitale Kuratierungstechnologien. (Grafik: DFKI)
 
Eine erste, sehr stark abstrahierte Version der Plattform für digitale Kuratierungstechnologien.
Grafik: DFKI  
Gut verdeutlichen lässt sich das am Beispiel des Nachrichtengeschäftes. Den Wettlauf mit der Zeit will jede Nachrichtenagentur gewinnen. „Allerdings müssen alle mit immer weniger Redakteuren, ausgedünnten Korrespondentennetzen und weiter steigendem Kostendruck klar kommen“, weiß Rolf Fricke von der Condat AG. Nach einem erhöhten Rechercheaufwand müsse das Material zeitintensiv für den Nutzer aufbereitet werden.
 

Fakten mit emotionaler Sprungkraft

Auch den Erstellern und Lesern von Pressespiegeln würden die „Digitalen Kuratierungstechnologien“ Erleichterung bringen, bekräftigt Patrick Bunk von der uberMetrics Technologies GmbH. Der Pressespiegel stamme aus einer Zeit mit beschränkten Informationsquellen. Hier gelte es, die Informationsflut zu kanalisieren. Die intelligente Technologieplattform könnte im Netz relevante Beiträge auswählen, die Informationen addieren und analysieren und sie nutzerspezifisch zusammenstellen.

Dass sich auch immer mehr Archive der digitalen Welt öffnen, gehe mit einer großen Herausforderung an Emotionalisierung und Visualisierung einher, meinen Michael Lailach von den Staatlichen Museen zu Berlin und Armin Berger von der 3pc Neue Kommunikation GmbH. Archivmaterial könne mit zusätzlichen Informationen interessant aufbereitet, große Datenbanken könnten „entkompliziert“ werden. Hier sei der Anspruch, so Armin Berger, rationalen Fakten emotionale Sprungkraft zu verleihen.

In einem Jahr, so Georg Rehm, wolle sich DKT wieder in dieser Veranstaltungsreihe präsentieren – dann mit einem Demonstrator der Technologieplattform.

Weitere Informationen zum WK Potenzial Digitale Kuratierungstechnologien finden Sie hier.