(Ultra)Schallgrenzen durchbrechen

Die Entwicklung der Ultraschalltechnik wird seit Jahrzehnten auch von Halle aus vorangetrieben. Jetzt war das Innovationforum „QSonoMed“ der Start für weitere innovative Vorhaben in der Saale-Stadt. Die quantitative Sonographie soll sich den medizinischen Markt erschließen.  

Ultraschall habe in der Medizin noch ein Imageproblem, meint Klaus-Vitold Jenderka von der Hochschule Merseburg und legt die Betonung auf das „noch“. Noch hielten Ärzte diagnostische Ultraschallverfahren für unzuverlässig. Noch wirke die komplexe, zeitraubende und teure Gerätetechnik eher abschreckend. Noch gäbe es zu wenig Spezialisten für die neuen Therapieformen. Jenderka lehrt Physik, Sensorik und Ultraschalltechnik und plädiert für eine gezielte Aus- und Weiterbildung, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden. Denn: Dass sich die diagnostischen und therapeutischen Ultraschallverfahren entwickeln, ist keine Frage.

Ralf Steinhausen vom Forschungszentrum Ultraschall (r.) und Santer zur Horst-Meyer von der SONOTEC Halle GmbH kooperieren seit Jahren auf dem Gebiet der Ultraschallmesstechnik. (Foto: PRpetuum GmbH)
 
Ralf Steinhausen vom Forschungszentrum Ultraschall (rechts) und Santer zur Horst-Meyer von der SONOTEC Halle GmbH kooperieren seit Jahren auf dem Gebiet der Ultraschallmesstechnik.
Foto: PRpetuum GmbH  
Der Ansporn der Experten aus der Region Halle besteht konkret darin, ein Innovationstreiber zu bleiben wie seit den 1970er Jahren schon. Damals wurde an der Hallenser Uni das erste Ultraschallgerät innerhalb der Ostblockstaaten entwickelt. In der Nachwende-Zeit ist beispielsweise die 1991 gegründete SONOTEC Ultraschallsensorik Halle GmbH zu einem weltweit agierenden Spezialisten in der Ultraschallmesstechnik gewachsen. Die ebenfalls erfolgreiche GAMPT – Gesellschaft für Angewandte Medizinische Physik und Technik mbH wurde 1998 von Mitarbeitern des Instituts für Medizinische Physik und Biophysik der Martin-Luther Universität (MLU) Halle-Wittenberg gegründet. Und: Seit 1998 wird an der MLU der Studiengang Medizinische Physik angeboten.
 

Messung am schlagenden Herzen

„Die Medizintechnik ist in Sachsen-Anhalt ein Leitmarkt, auf dem wir die Erfolgsgeschichte unserer Ultraschallverfahren und -geräte fortschreiben können“, ist die Überzeugung von Ralf Steinhausen vom Forschungszentrum Ultraschall in Halle. Zustimmung kommt aus dem Bundesforschungsministerium, das die ersten Schritte zum Netzwerkknüpfen als Innovationsforum „QSonoMed fördert. „Mit der quantitativen Sonographie können im medizinischen Bereich die Elastizität, Viskosität und der Druck im Gewebe sowie die Fließgeschwindigkeit und Konzentration von Flüssigkeiten gemessen werden“, erklärt Steinhausen und prognostiziert ganz neue Anwendungsmöglichkeiten.

Vorzeigebeispiel ist ein gemeinsames Projekt zwischen der Charité-Universitätsmedizin Berlin und der GAMPT mbH: In Körperregionen, die der Arzt nicht mehr manuell ertasten kann, dringt der Ultraschall noch vor. Er könne beispielsweise die Elastizität der Herzwand bei schlagendem Herzen messen. Auch an der Leber sei eine nichtinvasive Gewebeuntersuchung per Ultraschall möglich – etwa bei Leberfibrose, erklärt Anton Schlesinger von der GAMPT mbH. In der Entwicklung ist eine Liege mit eingebautem Lautsprecher, dessen Vibrationen das Körpergewebe zu Kompressionen anregen. Diese werden gemessen und geben Aussagen über die Elastizität des Gewebes, so Schlesinger.

Gerätesysteme für Diagnose und Therapie

Grit Oblonczek von der GAMPT GmbH präsentiert ein Ultraschallmessgerät für den klinischen Einsatz. (Foto: PRpetuum GmbH)
 
Grit Oblonczek von der GAMPT GmbH präsentiert ein Ultraschallmessgerät für den klinischen Einsatz.
Foto: PRpetuum GmbH  
Unter den zahlreichen Forumsgästen aus Wissenschaft und Industrie gehören GAMPT und SONOTEC zu den größten Befürwortern des Netzwerkes QSonoMed. „Wir sehen uns nicht als Konkurrenten, wir ergänzen uns“, betont Grit Oblonczek von GAMPT. Ultraschallmessgeräte ihres Unternehmens können unter anderem kleinste Luft- bzw. Gasblasen von fünf Mikrometern messen und kommen beispielsweise in Herz- Lungenmaschinen zum Einsatz. Die Ultraschallsensoren von SONOTEC überwachen Infusionen von Blut, flüssigen Medikamenten und Kontrastmitteln.
 

Steffen Tretbar, Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik in St. Ingbert, bringt mit seiner Vision das Ziel von QSonoMed auf den Punkt. Er stellt sich ein komplettes Gerätesystem vor, mit dem Ultraschallanwendungen zur Diagnostik und gleichsam zur Therapie möglich sind.

Weitere Informationen zum Innovationsforum QSonoMed finden Sie hier.