GANI_MED schafft innovative Standards und nachhaltige Strukturen

Nach fünf Jahren GANI_MED (Greifswald Approach to Individualized Medicine) hat die Forschung zur Individualisierten Medizin an der Greifswalder Universität die Schwelle zur analytischen Forschungsarbeit erreicht. An der Spitzenforschung-und-Innovation-Initiative sind alle fünf Fakultäten der Ernst-Moritz-Arndt-Universität beteiligt. Mit ihr rückt das Ziel näher, die Individualisierte Medizin eines Tages am Patienten anzuwenden.  

„Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat es mit dem Programm Spitzenforschung und Innovation geschafft, vorhandene Ressourcen zu stärken“, bemerkt Holger Wandsleb, stellvertretender Referatsleiter im Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern. „Die Erhebung von Standards durch GANI_MED“, sieht er als einen „Vertrauensbeweis an die Forschung hier in Greifswald“.

Biodatenbank ist zentrale Struktur von GANI_MED

Ein wesentliches Element der geschaffenen Strukturen ist die automatisierte Biodatenbank, die seit 2011 Urin, Speichel und Blutproben von Patienten lagert und verwaltet. Per Computersteuerung werden die Proben vollautomatisch über das Scannen eines Barcodes transportiert. Die umfassende Biodatenbank wird künftig auch für Studien des Deutschen Herz-Kreislauf-Zentrums (DZHK) genutzt.

Die Biodatenbank der Universitätsmedizin Greifswald: Serum, Plasma, Blut, Speichel und Urin von mehr als 4000 Patienten allein aus den GANI_MED-Kohorten lagern hier für die analytische Forschungsarbeit (Foto: GANI_MED).
 
Die Biodatenbank der Universitätsmedizin Greifswald: Serum, Plasma, Blut, Speichel und Urin von mehr als 4000 Patienten allein aus den GANI_MED-Kohorten lagern hier für die analytische Forschungsarbeit
Foto: GANI_MED.  

Im Fokus der GANI_MED-Forschung stehen die sogenannten Volkskrankheiten, wie Herzerkrankungen, Diabetes, Nierenleiden, Fettleber und Schlaganfall. Hierzu haben die beteiligten Kliniken der Greifswalder Universitätsmedizin rund 4500 Patienten in Kohorten eingeschlossen. Molekularbiologen und Mediziner wollen gemeinsam sogenannte Biomarker finden – charakteristische biochemische Parameter, die auf einen normalen oder krankhaften Prozess im Körper hinweisen.

Biomarker für Herzmuskelschwäche gefunden

Diese Biomarker sollen Aufschluss darüber geben, wie die Prognose des Patienten ist und in welchem Stadium die Krankheit sich befindet. „Wir verstehen Krankheiten jetzt besser und können Unterschiede und Gemeinsamkeiten jetzt besser herausarbeiten“, fasst Professor Karlhans Endlich, Anatom und Prodekan der Universitätsmedizin Greifswald, den Stand nach fünf Jahren GANI_MED zusammen.

Innovatives Computerkliniksystem: Bei GANI_MED werden die Daten der Anamnesen mit allen anderen klinisch relevanten Daten zusammengeführt (Foto: Hans Werner Hausmann, Universitätsmedizin).
 
Innovatives Computerkliniksystem: Bei GANI_MED werden die Daten der Anamnesen mit allen anderen klinisch relevanten Daten zusammengeführt
Foto: Hans Werner Hausmann, Universitätsmedizin.  

Bisher wurde tatsächlich ein Biomarker für Herzinsuffizienz gefunden, das MD2-Protein. Es ist maßgeblich an der Entstehung von Entzündungen bei Patienten mit einer Herzmuskelschwäche beteiligt, wie der Kardiologe PD Alexander Riad berichtet. Das Protein verursacht zudem eine Abnahme der Kontraktion der Herzmuskelzellen. In der Kohorte von Patienten mit Herzmuskelschwäche konnte herausgefunden werden, dass dieses Protein im Blut gemessen werden kann und mit der Prognose von Patienten einer Herzmuskelschwäche in Verbindung steht. Das Ergebnis gibt damit Aufschluss über die Heilungsprognose des Patienten.

Die GANI_MED-Forscher „stehen an der Schwelle zu weiteren Biomarkern“, kündigte der Koordinator des Forschungsverbundes Professor Hans J. Grabe an. Sie sind der Schlüssel zur Individualisierten Medizin und sollen nicht nur dazu beitragen Krankheiten früher zu erkennen, sondern auch vorhersagen, ob der Kranke auf eine bestimmte Therapie anspricht oder nicht.

Nachhaltigkeit der erhobenen Ethikstandards

Die Suche nach einer individuelleren Therapie wirft auch ethische Fragen auf. Die gewonnenen Daten der Probanden und Patienten können Aussagen zur Lebenserwartung eines Menschen machen und dies muss ethisch vertretbar sein. Juristen, Ethiker und Theologen haben hierfür Konzepte und Leitlinien entworfen. Welche ethischen und juristischen Folgen die statistische Auswertung von Patientendaten hat, werden Wissenschaftler der Universität Greifswald in dem jetzt startenden Forschungsprojekt „Menon“ versuchen zu beantworten. Das Projekt wird ebenfalls vom BMBF gefördert.

Weitere Informationen zur Spitzenforschung-und-Innovation-Initiative GANI_MED finden Sie hier.