Blick in die Zukunft der Medizin

Hoher Besuch am ZIK ICCAS: Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe legt auf seiner Sommerreise einen Stopp in Leipzig ein. Bei ICCAS kann er in die Zukunft schauen, die Zukunft der individuellen Hightech-Medizin.

„Meine Antennen stehen auf Empfang“, sagt Gröhe zu Beginn seines Besuchs. Statt viel zu reden, wolle er lieber zuhören. Das freut Institutsdirektor Andreas Melzer und seine Mitarbeiter, die den Minister aus Berlin eingeladen haben. Gröhe ist jedoch nicht der einzige Besucher. Auch die sächsische Ministerin für Soziales und Verbraucherschutz, Barbara Klepsch, sowie die Rektorin der Universität Leipzig, Beate Schücking, sitzen in der ersten Reihe. Kameras klicken, Mikrofone sind gezückt. Andreas Melzer und sein Vize, Thomas Neumuth, geben zunächst einen kurzen Überblick über mehr als zehn Jahre beeindruckende Forschung am Innovationszentrum Computerassistierte Chirurgie.
 

Fenster zur Zukunft

Von der Theorie geht’s dann in die Praxis. Im Digitalen Operationssaal herrscht großes Gedränge, als Hermann Gröhe und Barbara Klepsch selbst Hand anlegen dürfen. Überall stehen riesige Bildschirme, sind Kameras und Speziallichter angebracht. An einem lebensechten Modell demonstrieren Neumuth und Melzer, wie eine Operation am Schädel durch neuartige Assistenzsysteme und bessere Vernetzung sicherer für den Patienten und leichter für den Arzt werden kann. Vernetzung heißt vor allem, dass unterschiedliche Systeme in einem Operationssaal miteinander kommunizieren können. Das würde die Arbeit der Ärzte erleichtern und kleinen Unternehmen die Chance bieten, ihre Spezialtechnik öfter einsetzen zu können. Während Staatsministerin Klepsch begeistert ist, „durch ein kurz geöffnetes Fenster einen Blick in die Zukunft werfen zu können“, ist der Bundesgesundheitsminister beruhigt zu hören, dass der Arzt am Ende immer die letzte Entscheidung trifft und nicht alles den Maschinen überlässt. Doch die Technik kann Mediziner dabei unterstützen, weniger Fehler zu machen. Wenn Gefahr droht, reagiert ein sensorgestütztes Computersystem schneller als der Mensch.

Thomas Neumuth (rechts) erläutert Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (Mitte) und Staatsministerin Barbara Klepsch (links) die Sicherheits- und Vernetzungssysteme des digitalen OP der Zukunft. (Foto: Swen Reichhold, Universität Leipzig)
Thomas Neumuth (rechts) erläutert Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (Mitte) und Staatsministerin Barbara Klepsch (links) die Sicherheits- und Vernetzungssysteme des digitalen OP der Zukunft.
Foto: Swen Reichhold, Universität Leipzig

 

Anwendung und Vernetzung

Das ICCAS-Team arbeitet nun verstärkt daran, die entwickelten Technologien in die Kliniken zu bringen. Der erste Schritt dazu ist getan. Erst kürzlich erhielt das Innovationszentrum eine spezielle Zertifizierung für die Erforschung und Entwicklung von Medizinsoftware. Außerdem arbeiten die Wissenschaftler an einer stärkeren Vernetzung. Gemeinsam mit dem Dresdner ZIK OncoRay haben sie das Meta-ZIK Sonoray gegründet. Dort soll der Einsatz von fokussiertem Ultraschall bei der Strahlentherapie untersucht werden. Eines der Ziele ist es, Tumorzellen mit Hilfe von Ultraschall sensibler gegen die Bestrahlung zu machen und die Heilungschancen damit zu erhöhen.

ICCAS-Direktor Andreas Melzer (Mitte) und Vorstandschef Jürgen Meixensberger (rechts) zeigen, wie mit dem Gerät Körperstrukturen unter dem Schädel sichtbar gemacht werden können. (Foto: Swen Reichhold, Universität Leipzig)
ICCAS-Direktor Andreas Melzer (Mitte) und Vorstandschef Jürgen Meixensberger (rechts) zeigen, wie mit dem Gerät Körperstrukturen unter dem Schädel sichtbar gemacht werden können.
Foto: Swen Reichhold, Universität Leipzig

Auch wenn vieles noch Zukunftsmusik ist, reisen die Besucher aus Berlin und Dresden doch mit der Gewissheit ab, dass die ICCAS-Forscher viel bewegen, um Patienten sicherer und nach ihren individuellen Bedürfnissen behandeln zu können.

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